Seit sechs Jahren ist die Honoraranlageberatung in Deutschland gesetzlich geregelt: Am 1. August 2014 trat das "Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente" in Kraft, wie das Werk mit vollem Namen heißt. Das mit der Regulierung hat geklappt, das mit der Förderung nicht.

Nun sind sechs Jahre keine übliche Zeitspanne, um ein Fazit zu einem Gesetz zu ziehen. Dennoch gibt es einen aktuellen Anlass: Die Consorsbank gibt zum Jahresende die Wertpapierberatung auf (FONDS professionell ONLINE berichtete). Das Nürnberger Institut aus dem BNP-Paribas-Konzern war, wenn auch weitgehend unbemerkt, ein Pionier der Honorarberatung in Deutschland. Consors-Kunden konnten sich schon seit 2009 provisionsfrei beraten lassen. Pünktlich ab dem 1. August 2014 war die Bank zudem im Bafin-Register der Honoraranlageberater zu finden. Nur wer in diesem Verzeichnis steht, darf seinen Kunden offiziell eine Honoraranlageberatung anbieten.

Dass die Consorsbank bald aus der Anlageberatung aussteigt, hat nichts mit dem Honorarberatergesetz zu tun. Doch dank des Rückzugs wurde nun ein Detail bekannt, das den Gesetzgeber zum Nachdenken anregen sollte: Die regulierte Honoraranlageberatung hatte die Bank nämlich bereits Ende Juni 2019 eingestellt, im entsprechenden Bafin-Register ist das Unternehmen nicht mehr zu finden. Seither bietet die Bank ihre inhaltlich identische "Vermögensberatung extra" an. Für die Kunden änderte sich nichts, sie wurden weiterhin provisionsfrei auf Honorarbasis beraten. Nur der Name, unter der die Dienstleistung vermarktet wurde, war ein anderer.

Viel Aufwand, kaum Vorteile
Genau das ist die große Schwachstelle des Gesetzes: Es bietet kaum mehr als einen Bezeichnungsschutz – für eine Dienstleistung, die den wenigsten Verbrauchern ein Begriff ist. Dem Kunden ist es egal, ob sein Institut ihm eine "echte" Honoraranlageberatung angedeihen lässt oder schlicht eine Anlageberatung auf Honorarbasis. Solange keine Provisionen fließen, er seinen Berater direkt bezahlt und er daher eine unabhängige Beratung erwarten darf, ist er zufrieden.

Kein Wunder also, dass sich die wenigsten Wertpapierdienstleister den Aufwand antun möchten, der mit dem Honorarberatergesetz verbunden ist. Die Consorsbank musste beispielsweise zwei organisatorisch getrennte Teams vorhalten, weil sie neben der Honorar- auch eine Provisionsberatung anbot. Der Vorteil des Bezeichnungsschutzes wog den Mehraufwand nie auf. Darum ließ die Bank ihren Namen einfach wieder aus dem Bafin-Register streichen, ohne dass es bis dato jemandem aufgefallen wäre.

Das Gesetz ist gescheitert, die Honorarberatung nicht
Mittlerweile ist die Quirin Privatbank die einzige Bank, die offiziell eine Honoraranlageberatung anbieten darf. Hinzu kommen 16 Finanzdienstleistungsinstitute. Laut Bafin-Register gibt es damit aktuell 17 unabhängige Honoraranlageberater – genau so viele wie kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes. Weitere 202 Gewerbetreibende dürfen die Berufsbezeichnung "Honorar-Finanzanlagenberater" tragen, weil sie eine Erlaubnis gemäß Paragraf 34h Gewerbeordnung vorweisen können. Ihnen stehen aktuell fast 38.000 Finanzanlagenvermittler mit 34f-Zulassung gegenüber, die – wenn sie mögen – mit ihren Kunden genauso ein Honorar vereinbaren können wie ihre Kollegen mit 34h-Erlaubnis.

Es wäre nämlich falsch, wegen der geringen Zahl der Honoraranlageberater auf ein Scheitern der provisionsfreien Beratung zu schließen. Fast alle großen Banken bieten ihren Kunden mittlerweile Depotmodelle mit Pauschalgebühr an, bei denen sie auf Retrozessionen verzichten. Und für viele 34f-Vermittler sind Servicegebührenmodelle mittlerweile der Standard. Wirtschaftlich betrachtet hat sich die Honorarberatung also längst aus ihrer Nische befreien können. Dass sich dies nicht in den Zahlen der registrierten Honorarberater widerspiegelt, ist eine Folge des missglückten Gesetzes von 2014.