Die Fakten sind eindeutig: Die Banken ziehen sich aus der Anlageberatung zurück. Die Zahl der entsprechenden Wertpapierspezialisten sinkt Quartal für Quartal um rund 1.000, geht aus Daten der Bafin hervor (FONDS professionell ONLINE berichtete). Ende 2013 gab es noch fast 162.000 Anlageberater in Deutschland, aktuell sind es nicht mal mehr 118.000. Höchste Zeit also, die Profession auf die rote Liste der bedrohten Berufe zu setzen? Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht.

Für die Entwicklung der Zahlen gibt es drei wesentlich Gründe. Erstens werden immer mehr Filialen geschlossen. Der Rückzug aus der Fläche schlägt natürlich auf das Personal durch. Damit einher geht der zweite Grund: Die Banken setzen vermehrt auf spezialisierte Beratungseinheiten. Sprich: Der Kundenbetreuer in der Filiale kümmert sich nicht mehr wie früher um alle fast Themen, als er mal ein Konto eröffnet, dann einen Fonds vermittelt und später einen Kreditantrag bearbeitet hat. Stattdessen verweist er seine Fondskunden an den Wertpapierspezialisten in der Zentrale, der sich ausschließlich um Anlagethemen kümmert. Damit sinkt die Zahl der Berater, nicht aber das Volumen der Beratung.

Drittens sorgt die Regulierung für einen Trend weg von der Anlageberatung hin zur Vermögensverwaltung. Wer seine Anlageentscheidungen delegiert, verursacht deutlich weniger Betreuungsaufwand. Deshalb wird auch Kunden mit vergleichsweise geringen Summen immer häufiger eine standardisierte Finanzportfolioverwaltung empfohlen. Einige Banken haben sich sogar komplett aus der Anlageberatung zurückgezogen, weil sie keine Chance sahen, die Auflagen der Mifid II mit vertretbarem Aufwand zu erfüllen. Mitunter agieren diese Institute nunmehr nur noch als Tippgeber für andere Vermögensverwalter.

Der Beruf wird zunehmend exklusiver
So ist es möglich, dass der Fondsabsatz weiterhin gut ist – obwohl es in den Banken immer weniger Berater gibt, die diese Produkte vermitteln dürfen. Ein Blick auf die jüngsten Halbjahreszahlen von Deka und Union Investment zeigt jedenfalls, dass das Privatanlegergeschäft der Sparkassen und Genossenschaftsbanken nicht unter der sinkenden Zahl der Anlageberater leidet.

Der Trend dürfte anhalten. Die Standardisierung der Anlageberatung im Retailsegment wird voranschreiten, was sie aus Sicht der Banken effizienter und regulierungstechnisch sicherer macht – und aus Sicht der Kunden weniger persönlich. Eine wirklich individuelle Betreuung bleibt zunehmend den vermögenderen Mandanten vorbehalten. Der Beruf des Anlageberaters gehört also nicht auf die rote Liste. Aber er wird immer exklusiver.