In einem Supermarkt wäre diese Situation undenkbar: Kunden bezahlen ihre Einkäufe und erhalten einen Kassenbon. Der Papierstreifen listet alle erworbenen Waren auf, bei den angegebenen Preisen handelt es sich allerdings nicht um die aktuellen, sondern um die des Vorjahres. Wie bitte?

Was für jeden Supermarkt völlig absurd wäre, läuft beim Versand der sogenannten Ex-post-Kostenausweise tatsächlich ähnlich irritierend. Diese Informationen müssen Wertpapierdienstleister ihren Anlagekunden einmal pro Jahr zur Verfügung stellen und genau auflisten, welche Produkt- und Dienstleistungskosten in den vorangegangenen zwölf Monaten angefallen sind. So schreibt es die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II vor. 

Zeitnah klappt nicht
Nun wäre es für einen Fondsanleger natürlich sinnvoll, seinen Ex-post-Kostenbericht möglichst früh im Jahr für das zurückliegende Geschäftsjahr in der Hand zu haben. Die Finanzaufsicht Bafin empfiehlt daher auch einen Versand im ersten Quartal. Das Problem ist nur, dass zu Jahresbeginn die tatsächlichen Kosten von Fonds für die vorangegangenen zwölf Monate in der Regel noch nicht vorliegen. Dafür müssen erst die geprüften Jahresberichte parat sein. 

Die Bafin erlaubt es den Kapitalverwaltungsgesellschaften deshalb, die jüngsten testierten Zahlen bereitzustellen – doch genau das kann für Anleger zu erstaunlichen Szenarien führen. Klar ist, dass sie in diesem Fall keineswegs die Produktkosten des Vorjahres, sondern die des Vorvorjahres sehen. Heißt: Wo 2019 draufsteht, ist 2018 drin. Das fällt spätestens dann richtig ins Auge, wenn für einen Fonds eine Performance Fee ausgewiesen wird, der sich im Vorjahr gar nicht positiv entwickelt hat – dafür aber in den zwölf Monaten davor. 

Überraschung für neue Fondskunden
Das mag abenteuerlich sein, richtig verwirrend wird es aber für neue Fondskunden. Ein Beispiel: Ein Anleger eröffnet im Mai 2020 ein Depot bei einem Institut, das die Kostenberichte im April versandt hat. Seinen ersten Kostenausweis erhält er im April 2021, denn im Jahr danach wäre die Zwölfmonatsfrist längst überschritten. Zeigt das Dokument nun Produktkosten, die im Jahr 2019 angefallen sind, dann sieht der Kunde nicht nur alte Summen. Er sieht Beträge aus einem Zeitraum, in dem er bei dem Institut noch nicht einmal ein Depot hatte.

Mit mehr Transparenz, die der europäische Gesetzgeber durch den Ex-post-Kostenausweis eigentlich schaffen wollte, haben solche Szenarien rein gar nichts zu tun. Banken und Finanzdienstleistern ist hier nun kein Vorwurf zu machen. Solange die aktuellen Zahlen nicht frühzeitig im Jahr verfügbar sind, haben sie nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder sie verschicken die Ex-post-Kostenausweise zügig mit falschen Daten. Oder sie versenden sie mit korrekten Zahlen – dann aber erst spät im Jahr.

Bafin könnte Abhilfe schaffen
Für Abhilfe könnte nur die Bafin sorgen. Ähnlich wie die Behörde den Kapitalverwaltungsgesellschaften in der Vergangenheit eine Frist für die Bereitstellung der Steuerdaten gesetzt hatte, könnte sie ihnen jetzt ein Stichtag für die Lieferung der Produktkosten ihrer Fonds setzen. Doch das ist bisher nicht passiert. Und solange es nicht dazu kommt, müssen die Institute weiterhin im luftleeren Raum operieren, Anleger haben keine zeitnahe Kostentransparenz und kommen mit Fragen auf ihre Berater zu. Eine Situation, die in ihrer Absurdität tatsächlich an ein Jahr alte Supermarktpreise auf einem Kassenzettel erinnert.