Ob es der Bäcker um die Ecke ist oder das Internetportal eines Reiseunternehmens: Wer sich als Verbraucher in den realen oder virtuellen Räumen dieser Welt bewegt, hat immer ein Ziel: Informationen einholen und bei Gefallen eine Dienstleistung oder ein Produkt kaufen. Wer einen Vermögensverwalter aufsucht, zahlt für dessen Know-how, nicht für die gewählten Anlageinstrumente selbst. Doch ohne Produkte geht am Ende des Tages auch dort nichts.

Interessant ist daher eine These, zur der sich die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin verstiegen hat. In einem Positionspapier üben die Verbraucherschützer umfassende Kritik an der digitalen Vermögensverwaltung. Das Ansinnen der meisten "Robo Advisor" sei entgegen der Übersetzung des Begriffs ins Deutsche gar nicht die "Beratung", sondern der Produktverkauf. Sie fordern: Der Markt brauche "unabhängige Anbieter, die Technologie nicht zum Produktverkauf nutzen wollen".

Dazu muss man wissen, dass die Kritik der Verbraucherschützer auf einer Untersuchung der ihnen nahestehenden Stiftung Warentest aufsetzt, die in der August-Ausgabe des Magazins "Finanztest" veröffentlich wurde (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die Prüfer durchleuchteten dabei 14 "Robos", allesamt vollausgestattet mit der "großen" Lizenz der Finanzaufsicht Bafin nach Paragraf 32 Kreditwesengesetz (KWG). Soviel darf man schon jetzt vorhersagen: Die ausgestellten Zeugnisse der Warentester werden nur von den wenigsten digitalen Vermögensverwaltern zu Werbezwecken eingesetzt werden – dafür sind sie einfach zu miserabel. Vor allem, was Kunden an Informationen zum Kostenrahmen und zum Leistungsumfang an die Hand gegeben wird, war für die Tester in den meisten Fällen nur "befriedigend". Über die Methodik der Warentester bei ihrem "Robo-Rapport" ließe sich allerdings streiten. So blieben etwa Performanceaspekte mit dem Hinweis, dafür sei es noch zu früh, in der Gesamtbetrachtung außen vor. In einem Punkt stört den vzbv die kurze Leistungshistorie der Prüflinge hingegen nicht: Er weiß schon jetzt, dass vor allem Vertriebsinteressen verfolgt werden – und die Beratung daher auf der Strecke bleiben muss.

Es liegt auf der Hand, dass auch in der neuen Branche der digitalen Vermögensverwaltung noch nicht alles perfekt läuft und es immer Verbesserungspotenziale gibt. Daraus aber abzuleiten, es bedürfe schärferer Vorgaben zur Abfrage der Kundenprofile und -wünsche, und obendrein zu fordern, die Robo-Beratung müsse aus dem Produktbereich herausgeschält – ja, am besten solle auf den Verkaufsaspekt ganz verzichtet werden – ist mehr als nur wirklichkeits- und wirtschaftsfern.

Fakt ist: Wer einen der von der Stiftung Warentest durchleuchteten digitalen Vermögensverwalter ansteuert, läuft regulatorisch (und um nichts Anderes geht es beim vzbv-Vorstoß!) zu keiner Zeit Gefahr, zum Zweite-Klasse-Kunde zu werden. Sein Anlagevermögen ist, sofern er denn abschließt, als Sondervermögen geschützt, sollte der Anbieter die Geschäftstätigkeit einstellen (auch das wird passieren). Nicht weniger wichtig: Der Anleger wird hinsichtlich seines Anlagehorizontes, seiner Ziele, seiner Erfahrungen in der Geldanlage und seines Risikoprofils ebenso intensiv und persönlich befragt wie beim physischen Vermögensverwalter. Denn: Für Robos mit Lizenz nach Paragraf 32 KWG gelten die Vorschriften von Mifid II nicht minder als für ihre menschlichen Kollegen. Zudem dürfen in der digitalen Vermögensverwaltung genauso wie in der persönlichen keinerlei Provisionen einbehalten werden – und gerade die Marktführer sind, wie der aktuelle "Robo-Radar" von FONDS professionell ONLINE zeigt, institutsunabhängige Anbieter.

Was spricht also dafür, den Produktaspekt aus der digitalen Vermögensverwaltung zu verbannen? Nichts! Sich dafür auszusprechen, ist etwa so sinnvoll wie zu fordern, dass Kunden beim Bäcker sämtliche Details zu allen Brot- und Gebäcksorten einholen, danach aber nichts kaufen dürfen.