Der ESG-Boom ruft die Bafin auf den Plan. Soll ein deutscher Publikumsfonds "als nachhaltiges Investmentvermögen (…) aufgesetzt werden, muss sich dies nicht nur in dessen Verkaufsunterlagen, sondern auch in den Anlagebedingungen widerspiegeln", heißt es im Entwurf einer Richtlinie, die noch im zweiten Quartal in Kraft treten soll (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die Bafin begründet ihren Vorstoß damit, dass sie angesichts der Flut von Ökofonds "Greenwashing" befürchtet. Sie begründet das unter anderem mit der Offenlegungsverordnung. Das neue EU-Regelwerk verpflichtet die Anbieter zwar zu mehr Transparenz im Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten, sagt aber nichts zur inhaltlichen Ausgestaltung der Anlagebedingungen oder zur Formulierung des Fondsnamens. Darum sieht sich die Bafin zum Handeln gezwungen. Wer sich vor Augen führt, wie viele Produkte die Anbieter gemäß der EU-Verordnung als nachhaltig eingestuft haben, kann das sogar nachvollziehen.

Der Hebel, den die Bafin ansetzen möchte, ist jedoch der falsche. Bei den Anlagebedingungen kann sie nur auf deutsche Fonds einwirken. Sind die Regeln zu streng, vertreiben die Banken eben Luxemburger Portfolios. Damit ist weder den Anlegern geholfen noch dem Fondsstandort Deutschland. Effizienter wäre es, beim Vertrieb anzusetzen, also Leitplanken vorzugeben, wann ein Finanzprodukt hierzulande als nachhaltig angepriesen werden darf. Bleibt die EU an dieser Stelle zu locker, kann die Bafin auf nationaler Ebene immer noch nachschärfen.