Rentenreform: Lieber spät als nie
FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch über die Empfehlungen der Rentenkommission, die den Einstieg in ein neues System bedeuten würden.
Es wäre eine Reform, die diesen Namen ausnahmsweise wirklich verdient hätte: Setzt die Bundesregierung die Empfehlungen der Rentenkommission tatsächlich um, steigt die Chance, die gesetzliche Rente zukunftsfähig zu machen, deutlich.
Endlich würde das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt – ein längst überfälliger Schritt. Der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen rechnet im Interview mit FONDS professionell anschaulich vor, dass ein Rentner in den 1970er Jahren für jedes Rentenjahr im Schnitt viereinhalb Jahre eingezahlt hatte. Der Ruheständler von heute musste für ein Rentenbezugsjahr dagegen nur zwei Jahre arbeiten. Dass es so nicht weitergehen kann, ist seit langem klar.
Auch das geplante Aus für die "Rente mit 63" ist richtig, es wäre die Korrektur eines teuren Wahlgeschenks. Das gleiche gilt für den Vorschlag, den Nachhaltigkeitsfaktor wieder einzuführen, der die Rentenentwicklung automatisch an das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern anpasst. Beides ist nicht populär, aber schlicht notwendig.
"Wäre, wäre, Fahrradkette"
Zu begrüßen ist zudem die Idee eines kapitalmarktgedeckten Zusatzbausteins für die gesetzliche Rente, die den Einstieg in ein neues System bedeuten würde. Auch wenn ein solcher Fonds kurzfristig wenig bringt, würde er doch zumindest auf lange Sicht das Rentenniveau stützen und so dabei helfen, das ganze System zu stabilisieren.
Hätte sich die Politik schon vor einem Vierteljahrhundert zu diesem Schritt durchgerungen, wären die Probleme, die es heute zu lösen gilt, deutlich kleiner. Leider muss an dieser Stelle das alte Bonmot von Lothar Matthäus bemüht werden: "Wäre, wäre, Fahrradkette." Um die damals beschlossene Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus zu kompensieren, wurde bekanntlich kein Aktienfonds installiert, sondern die bürokratische und renditeschwache Riester-Rente ersonnen, für die nun ebenfalls ein Neustart nötig ist.
Kurz: Die Kommission hat ein wirklich brauchbares Gesamtpaket vorgelegt. Bleibt zu hoffen, dass es in der Koalition nicht komplett aufgeschnürt und zerfleddert wird. Sonst wird die Arbeit des Expertengremiums als weitere vertane Chance in die Geschichte der Rentenreformen eingehen – und Lothar Matthäus' Zitat eines Tages weitere Kommentare zum Thema schmücken müssen.















