Gut 30 Empfehlungen hat der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung in seinem Abschlussbericht formuliert. Eine davon lautet, "die Erträge aus Anlagen in Anlageprodukten, die gemäß Offenlegungsverordnung als nachhaltig gewertet werden, bis zu einem bestimmten Höchstbetrag von der Besteuerung zu befreien" (FONDS professionell ONLINE berichtete). Konkret empfiehlt das Expertengremium, nur noch Produkte zu fördern, die Artikel 8 oder 9 des neuen EU-Regelwerks entsprechen.

Die Idee klingt zunächst charmant, ist aber nicht zu Ende gedacht. Die Offenlegungsverordnung ist sicherlich nicht der Maßstab, an dem der Fiskus eine solche Förderung festmachen sollte. Denn die Einstufung, welcher Fonds unter die erwähnten Artikel 8 oder 9 der Verordnung fällt, nehmen die Investmentgesellschaften selbst vor. Entsprechende Produkte müssen zwar umfangreiche Transparenzstandards erfüllen, qualitative Nachhaltigkeitsziele schreibt die Verordnung aber gar nicht vor. Ihr geht es, wie der Name schon sagt, um Offenlegung, nicht darum, die Welt zu verbessern.

Gezielte Steuersubventionen enden oft im Desaster
Doch selbst, wenn sich leichter eingrenzen ließe, welche Fonds tatsächlich förderungswürdige Ziele verfolgen, wäre ein Steueranreiz gefährlich. Die jüngere Geschichte ist voll von Fehlanreizen dieser Art. Man denke nur an den vom Fiskus subventionierten Bauboom nach der Wiedervereinigung oder die Steuervorteile für Schiffsfonds, die gut gemeint waren, für Hunderttausende Anleger aber dennoch im finanziellen Desaster endete.

Der Trend zur nachhaltigen Geldanlage ist ohnehin intakt: In vielen Private-Banking-Abteilungen sind ESG-konforme Depots bereits die Standardoption. Spätestens, wenn Anlageberater ihre Kunden ab dem kommenden Jahr fragen müssen, ob sie bei ihren Investments Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt wissen möchten, wird das Thema in der Breite ankommen. Schon heute wird kaum ein neuer Fonds aufgelegt, bei dem ESG-Kriterien nicht zumindest im Investmentprozess integriert sind. Immer mehr Asset Manager setzen zudem ihre Macht auf Hauptversammlungen und in Gesprächen mit den Führungskräften ihrer Portfoliounternehmen ein, um die Konzerne zu einem nachhaltigeren Wirtschaften zu bewegen. Zusätzliche Steueranreize, um dieses Thema voranzubringen, braucht es da nicht.

Ein sinnvoller Anreiz sieht anders aus
Sinnvoller wäre es, beispielsweise den Sparerpauschbetrag anzuheben, so wie das jüngst der BVI vorgeschlagen hat. Zur Erinnerung: Kurz vor der Jahrtausendwende lag der Freibetrag noch bei umgerechnet gut 3.000 Euro pro Kopf, dann wurde er Schritt für Schritt auf mittlerweile 801 Euro gesenkt. Wenn dieser Betrag auch nur halbwegs in Richtung alter Niveaus steigen würde, wäre das ein sinnvoller Anreiz, mehr für die private Altersvorsorge zu tun. Schöner Nebeneffekt: Ein guter Teil dieses Geldes würde mit hoher Wahrscheinlichkeit in Nachhaltigkeitsfonds fließen – ganz ohne eigenen Steueranreiz für diese Produkte.