Deutschland soll zum führenden Standort für ein nachhaltiges Finanzwesen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, nennt die Bundesregierung in ihrer "Sustainable Finance"-Strategie 26 Maßnahmen. Eine davon, die unmittelbare Auswirkungen auf die Fondsbranche und den Finanzvertrieb hätte, ist die Idee einer "Nachhaltigkeitsampel" für Anlageprodukte (FONDS professionell ONLINE berichtete). Diese möchte die Bundesregierung mit Hilfe des Umweltbundesamtes erarbeiten, "sollte es zeitnah keine europäische Initiative der EU-Kommission geben", wie es im Bericht der drei zuständigen Ministerien heißt.

Das System soll Anlegern "schnell und einfach Hinweise geben, Nachhaltigkeit bei der Vermögensanlage einzuschätzen und zu berücksichtigen". Die Idee klingt gut. Nicht nur Anleger, auch Banken und Finanzberater wären froh darüber, weil die Ampel ihnen die Produktauswahl deutlich erleichtern würde. Es gibt mittlerweile zwar zahlreiche ESG-Ratings für Fonds, ein "staatliches" Siegel hätte aber natürlich eine ganz andere Glaubwürdigkeit. Klar ist jedoch: Wäre eine solche Kennzeichnung mit vertretbarem Aufwand möglich, gäbe es sie längst.

Ohne Taxonomie geht es nicht
Denn es ist ja nicht so, dass die erwähnte "Initiative der EU-Kommission" fehlen würde: Brüssel arbeitet längst daran, sein "Ecolabel", das es bislang für Gebrauchsgüter wie Waschmittel gibt, auch für Fonds anzubieten. Die Einführung scheitert nicht nur daran, dass die Branche gegen die ihrer Meinung nach zu strengen Regeln Sturm läuft, sondern vor allem an einer viel grundsätzlicheren Frage: Was ist eigentlich nachhaltig?

Antworten geben soll die Taxonomie, das Klassifizierungssystem, mit dem die Europäische Union definiert, welche Wirtschaftsaktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten dürfen. Bislang liegen erst für zwei von insgesamt sechs Umweltzielen Details vor. Die Taxonomie ist ein unvorstellbar sperriges, von technischen Details durchdrungenes Unterfangen, das zudem politische Sprengkraft birgt, wie die Diskussion um die Kernkraft zeigt. Ohne sie muss aber jeder Versuch, ein "offizielles" Nachhaltigkeitssiegel zu vergeben, zum Scheitern verurteilt sein.

Die Offenlegungsverordnung allein hilft nicht weiter
Die Regierung betont, ihre Ampel solle "auf bestehenden Regulierungen basieren, um Konsistenz zu gewährleisten", und verweist auf die EU-Offenlegungsverordnung. Auch das klingt löblich, hilft bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit eines Fonds aber nicht wirklich weiter. Die Offenlegungsverordnung sorgt nur für Transparenz darüber, wie ein Anbieter mit ESG-Aspekten umgeht und welche Ziele das Sondervermögen verfolgt. Ein qualitatives Urteil, das für eine grüne Ampel nötig wäre, lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten. Das kann nur in Kombination mit der Taxonomie gelingen – und ein darauf basierendes Siegel, das "Ecolabel", ist ja schon in Arbeit. Die Idee ihrer "Nachhaltigkeitsampel" kann die Regierung deshalb getrost wieder beerdigen.