Was Bitcoin mit Energy-Drinks eint
FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch über die Bemühungen vieler Banken, ihren Kunden Kryptowährungen anzubieten.
Stellen Sie sich vor, Sie betreiben in dritter Generation ein Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt. Ihr Opa verkaufte in genau diesem Laden einst vor allem Obst und Gemüse der umliegenden Bauern, außerdem Milch und Joghurt aus der Molkerei des Nachbarorts. Mutter und Vater erweiterten das Sortiment deutlich, konzentrierten sich aber im Wesentlichen auf Grundnahrungsmittel. Gab ja kaum was anderes. Und Sie? Haben quietschblaue Energy-Drinks, Fertiggerichte und fettige Donuts in Plastikverpackung im Regal, deren bloßer Anblick Diabetes zu verursachen droht. Warum? Weil die Kunden das Zeug eben wollen.
Vielleicht erklärt dieses kurze Gedankenexperiment, weshalb viele Filialbanken während der (mittlerweile zumindest ins Stocken geratenen) Rallye der Kryptowährungen begonnen haben, Bitcoin ins Sortiment aufzunehmen. Sie befürchten – wahrscheinlich zu Recht – dass sie früher oder später einen relevanten Teil ihrer Kunden verlieren würden, wenn sie bei ihnen keine Kryptowährungen bekommen. Die Banken werden ihren Kunden zwar schon aus Compliance-Gründen nicht aktiv zu Bitcoin raten. Aber wer unbedingt Kryptos möchte, soll sie haben. Wie bei der Fertigpizza.
Die Kunden wollen das Zeug eben
Ein Bitcoin verbrieft das Recht auf nichts. Wer Bitcoin in Erwartung einer Wertsteigerung kauft, spekuliert also darauf, in Zukunft jemanden zu finden, der ihm mehr Geld für nichts bezahlt – in den vergangenen Wochen wurde das einigen Anlegern wahrscheinlich schmerzhaft bewusst. Fürs Depot sind Kryptowährungen wahrscheinlich ähnlich gesund wie quietschblaue Energy-Drinks zum Frühstück. Kurzfristig mögen sie für Schwung sorgen, zu viel davon kann aber zum Herzkasper führen.
Nach dem jüngsten Crash am Kryptomarkt dürfte den meisten Kunden klassischer Filialbanken der Appetit auf Bitcoin vorerst zwar vergangen sein. Aber die nächste Welle der Begeisterung folgt bestimmt. Dann werden weitere Banken Kryptowährungen ins Sortiment aufnehmen. Die Kunden wollen das Zeug eben.















