Acatis bringt Fondsstrategien als ETF auf den Markt
Die von Hendrik Leber gegründete Acatis hatte die Auflage von ETFs zunächst verworfen. Nun will das Haus aber ETF-Anteilsklassen von bestehenden Fonds starten. Auch neue Produkte stehen an. Und erstmals seit Jahrzehnten fährt Leber nicht zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway.
Die Investmentgesellschaft Acatis plant die Auflage börsengehandelter Fonds (ETFs). Dies sagte Unternehmensgründer Hendrik Leber bei einer Pressekonferenz auf dem FONDS professionell KONGRESS. Die Idee sei, zu bestehenden Investmentfonds des Hauses ergänzend ETF-Anteilsklassen aufzulegen, so Leber in Mannheim. "Zum Acatis Aktien Global Fonds wird es irgendwann eine ETF-Anteilsklasse geben", sagte der bekannte Value-Investor. Das Projekt solle im Laufe des Jahres angegangen werden.
Zudem seien neue ETF-Strategien für das von der deutschen Bundesregierung angedachte Altersvorsorgedepot in der Planung. So erwäge das Haus ein Produkt für die Anspar- und eines für die Entnahmephase. Hier sei aber noch keine Entscheidung gefallen. Mit dem Altersvorsorgedepot will die Bundesregierung in Deutschland die private und kapitalmarktgebundene Vermögensbildung für den Ruhestand fördern. Ein Start ist für 2027 angepeilt.
"Wir müssen das Thema ETF abbilden"
Acatis hat bereits seit Längerem die Auflage von ETFs erwogen, diesen Schritt aber zunächst verworfen, wie Leber vor gut einem Jahr im Interview berichtet hatte, das in Heft 1/2025 von FONDS professionell erschienen war. Die Art von Acatis sei nicht für das "schnelle Spiel eines 'Wisch und weg' geeignet", das den ETF-Markt präge, so Leber damals. Doch seither erfolgte ein Umdenken. "Wir müssen das Thema ETF abbilden, damit wir für Anleger verfügbar sind, die sich nur bei Neobrokern bewegen", begründete Leber die Wende. "Es darf nicht sein, dass unsere Fonds nicht für Anleger erhältlich sind."
So sei Leber lange nicht klar gewesen, dass Neobroker wie Trade Republic oder Scalable klassische Fonds auf ihren Plattformen schlichtweg technisch nicht aufnehmen könnten. Demgegenüber bemerke sein Haus jedoch eine zunehmende Nachfrage von Anlegern, die solche Handelsplattformen bevorzugen. Der ETF-Markt erlebt einen anhaltenden Boom. Allein im vergangenen Jahr flossen unter dem Strich europaweit rund 330 Milliarden Euro in das Segment. Ein Volumen von 2,6 Billionen Euro liegt in den börsengehandelten Vehikeln. Zunehmendes Wachstum verzeichnen auch ETFs, die Elemente des aktiven Managements aufweisen.
"Vertriebspartner nicht vor den Kopf stoßen"
Die Auflage von günstigen ETFs birgt jedoch Fallstricke, wie Leber offen einräumt. Die nunmehr geplanten ETF-Anteilsklassen seien naturgemäß nicht mit Bestandsprovisionen versehen – und können somit zu den bestehenden Fondsanteilsklassen in Konkurrenz treten. "Das ist eine Kannibalisierung der klassischen Fonds – zumindest teilweise", sagte Leber. "Aber nicht verfügbar zu sein für Anleger, dies unsere Fonds wollen, diese aber nicht auf der von ihnen bevorzugten Plattform finden, das darf auch nicht sein." Letztendlich brauche das Haus Formate für jeden Vertriebsweg.
"Wir dürfen unsere Vertriebspartner nicht vor den Kopf stoßen", führte der Acatis-Gründer aus. "Wir müssen da eine Fairness walten lassen." Er verwies darauf, dass immer mehr Finanzvertriebe sich vom Modell der Bestandsprovisionen verabschieden und andere Erlösmodelle aufsetzen. "Da ändert sich die Landschaft grundlegend." Allerdings fließe auch bei ETFs Geld: ETF-Anbieter würden "ganz schön Geld abdrücken", um auf den Handelsplattformen der Broker gelistet zu sein, berichtet der Acatis-Gründer. "Da müssen wir schauen, wie wir damit umgehen", so Leber.
Kein Problem mit Transparenz
Eine weitere mögliche Hürde sei die Lieferung von aktuellen Kursdaten an die Handelspartner eines ETFs, die sogenannten Market Maker. Diese stellen aktuelle Preise für den jeweiligen ETF und benötigen dafür aktuelle Daten über die Zusammensetzung und Gewichtung des ETF-Portfolios. Leber zeigte sich jedoch optimistisch, diese Daten liefern zu können. Auch die Transparenz eines ETFs stelle für ihn kein Problem dar. ETFs müssen täglich ihr Portfolio offenlegen. Manche Asset Manager fürchten, dass dieses Wissen von Konkurrenten oder anderen Akteuren ausgenutzt wird.
Daneben kündigte Leber die Auflage eines Spezialfonds an, der in Konsumentenkredite investiert. Acatis arbeitet dabei mit dem Start-up Exaloan zusammen, an dem das Haus auch beteiligt ist. Exaloan analysiert Kleinkredite, die über Internetplattformen angeboten werden. Diese Darlehen böten interessante Renditeaussichten. Leber und seine Frau haben diese Investitionsmöglichkeit über die vergangenen drei Jahre selbst getestet. Der Fonds sei jedoch ausschließlich für einige wenige, professionellere Investoren wie Family Offices gedacht.
Omaha fällt aus
Schließlich kündigte Leber an, dieses Jahr nicht zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway zu fahren. "Ich will nicht in Länder fahren, die von Diktatoren oder Diktator-ähnlichen Machthabern regiert werden", erläuterte Leber. "Ich habe so viele negative Dinge über Trump gesagt, ich habe echte Sorge, an der Grenze festgehalten zu werden."
Unabhängig davon halte er den neuen Konzernchef Greg Abel für einen "fähigen Manager" und er wäre eigentlich sehr gerne gefahren, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Abel hat zum Jahreswechsel die Führung von Berkshire Hathaway von Investorenlegende Warren Buffett übernommen. Das Treffen werde voraussichtlich auch nicht mehr in Omaha stattfinden, sondern in Richmond, so Leber. (ert)















