"Wer die gleichen Wertpapiere kauft wie alle anderen, erzielt auch die gleichen Resultate", lautete eine Maxime der 2008 verstorbenen Fondslegende Sir John Templeton. Zu kaufen, was niemand haben will: Darin, so seine Überzeugung, liegt der Kern einer dauerhaften Überrendite. Zugegeben: Den Markt zu schlagen ist in Zeiten des Informationsüberflusses und des auch regulatorisch bedingten "Mainstream"-Investing nicht eben leichter geworden.

Das zeigt sich dieser Tage wieder einmal am US-Aktienmarkt. Wie Bloomberg berichtet, übertrafen im November gerade mal 14 Prozent der Large-Cap-Kernfonds den breit gefassten Russell-1000-Index. Das sei die drittniedrigste Monatsquote seit 1991, zeigen von der Bank of America Corp. (BofA) gesammelte Daten. Der Grund: Hoffnungsfroh stimmende Impfstoff-Nachrichten haben zu einer Rotation aus Technologieaktien hinein in Energie- und Finanzwerte geführt, die von Portfolio-Managern trotz der niedrigen Bewertungen allerdings weithin gemieden wurden.

Technologie war ein "Must have"
“Erst vor wenigen Wochen sagte jeder Vermögensverwalter und Portfoliomanager, dass Technologie der Gewinner ist. Der Einfluss von Covid-19 galt als überzeugend und langlebig”, berichtet Scott Knapp, Chefmarktstratege bei der Cuna Mutual Group. “Dann kommt der Impfstoff. Doch typisches Herdenverhalten sorgte dafür, dass ein Großteil der Mittel während der Rotationsphase falsch ausgerichtet war.”

Die erneut unterdurchschnittlich schlechte Performance verlängert ein ohnehin hartes Jahr für viele aktive Fonds. Erst wurden sie dafür abgestraft, dass sie in nicht ausreichendem Maße Anteilscheine der fünf erfolgreichsten Aktien, insbesondere Apple, hielten. Und nun leiden sie unter der schnellen Umschichtung von Wachstums- in Substanzwerte. Ende November wiesen nur 20 Prozent der untersuchten Fonds für das Jahr 2020 eine Outperformance auf, verglichen mit 27 Prozent im September.

Und was jetzt?
Die so gescholtenen Portfolio-Verantwortlichen haben jetzt nur wenige Wochen, um möglicherweise noch aufzuholen. Daher könnten sie gezwungen sein zu entscheiden, ob sie auf billige Aktien setzen sollen, sagen Strategen um Savita Subramanian.

“Wenn die Marktführerschaft weiterhin auf den Wert ausgerichtet ist, kann die derzeitige Neigung von aktiven Fonds zu Wachstumsaktien eher schaden als helfen”, schrieben die Strategen in einer Notiz. “Die unterdurchschnittliche Performance im November war teilweise auf eine negative Einschätzung der Substanzwerte zurückzuführen.”

Auch Top-Manager bekommen nicht immer Recht
Zu den Fonds, die im November litten, zählt auch der Fidelity Disciplined Equity Fund. Das immerhin 1,7 Milliarden US-Dollars schwere Portfolio, dessen Tech-Bestände rund zwei Fünftel seines Portfolios ausmachten, legte in diesem Jahr um 26 Prozent zu und übertraf 95 Prozent der von Bloomberg verfolgten Konkurrenten. Im letzten Monat ist sein Ranking jedoch auf das 12. Perzentil gefallen, mit einem aboluten Performance-Plus von nur noch etwas mehr als zehn Prozent.

Der Eaton Vance Stock Fund ist ein weiteres Exemplar, bei dem die bislang starke Tech-Ausrichtung Performance gekostet hat. Zum Ende des dritten Quartals hat der Fonds 28 Prozent seiner Mittel in die fünf großen Unternehmen investiert - Microsoft, Amazon, Facebook, Alphabet und Apple. Das Quintett lag im November fünf Prozentpunkte hinter dem Rest des S&P 500.

Fonds, die Aktien anhand eines einfachen Wert- oder Wachstumsansatz auswählen, schnitten im November eindeutig besser ab, heißt es in dem Bloomberg-Artikel. Etwa 55 Prozent der von der BofA verfolgten Value-Fonds übertrafen ihre Benchmark. Zum Vergleich: Nur 40 Prozent der puren Wachstumsfonds entwickelten sich besser als der Durchschnitt.

Fondsmanager unter Performancedruck
Bei gemischten Fonds spiegelte die Vorliebe für Wachstumsaktien wahrscheinlich ein gewisses Maß an Zweifeln an der wirtschaftlichen Erholung angesichts der steigenden Covid-19-Fallzahlen wider. So vielversprechend die Impfstoff-Entwicklung auch sei: Es blieben Fragen zu Produktion, Verteilung und Wirksamkeit offen. "Sollte sich die Erholungsrally jedoch fortsetzen, können es sich die Manager nicht leisten, die letzte Gelegenheit zu verpassen, ihre Performance-Lücke zu schließen", sagt John Augustine, Chief Investment Officer bei der Huntington Private Bank.

“Das vierte Quartal wird wahrscheinlich darüber entscheiden, wie gut sich aktive Manager den Marktentwicklungen anpassen können”, erklärt Augustine. “Wir werden sehen, welche aktiven Manager geschickt genug sind, diese Rotation durchzuführen.” (hh/ps)