Die Servicegesellschaft Han-ETF legt dem Future of European Defence UCITS ETF einen neuen Index zugrunde. Damit soll der rund 150 Millionen Euro schwere Fonds Angaben des Asset Managers zufolge zum ersten Verteidigungs-ETF in Europa werden, der gemäß Artikel 8 der europäischen Offenlegungsverordnung (SFDR) klassifiziert ist. Artikel-8-Fonds müssen über einige im Verkaufsprospekt festgelegte ESG-Kriterien Bericht erstatten. In der Vergangenheit wurden viele Artikel-8-Produkte als nachhaltig vermarktet, nach Greenwashing-Vorwürfen agiert die Branche mittlerweile zurückhaltender.

Der neue Index beschränke sich auf Unternehmen mit Hauptsitz in europäischen Nato-Staaten, schließe umstrittene Waffen aus und solle das Produkt für einen größeren Anlegerkreis öffnen, erläutert Han-ETF. Konkret folgt der im April dieses Jahres aufgelegte Fonds künftig nicht mehr dem "Vettafi Future of Defence Ex US"-Index, sondern dem "Vettafi European Future of Defence Screened"-Index.

Sind Investments in Rüstung nachhaltig?
Die Änderung fällt in eine Zeit, in der darüber diskutiert wird, ob Rüstungsinvestments generell als nachhaltig gelten dürfen oder nicht. Acht Kirchen- und Ethikbanken aus Deutschland veröffentlichten im April ein Positionspapier, in dem sie sich gegen die uneingeschränkte Aufnahme von Rüstungskonzernen in nachhaltige Finanzprodukte aussprechen. "Rüstung ist notwendig, aber nicht nachhaltig", heißt es dort. Ähnlich hatte sich zuvor unter anderem Hadewych Kuiper, die Chefin von Triodos Investment Management, geäußert.

Einige große Asset Manager, darunter Allianz Global Investors und die DWS, haben dagegen angekündigt, bestimmte Artikel-8-Fonds für Rüstungsinvestments zu öffnen. Han-ETF berichtet von einer "wachsenden Nachfrage von Investoren, die ein Engagement im europäischen Verteidigungssektor wünschen, zugleich aber Wert auf verantwortungsvolle Anlagekriterien legen".

"Hohe Verantwortungsstandards"
Das Anlageuniversum des Future of European Defence UCITS ETF beschränkt sich nun auf europäische Nato-Mitglieder. Investments in Unternehmen aus Israel, Kanada, Australien und Südkorea kommen nicht mehr in Frage. Die Zahl der im Fonds enthaltenen Titel fällt damit von zuvor 37 auf nun 22. Hinzu kämen strengere Auswahlkriterien, so der Anbieter. Es gebe nun "explizite Ausschlüsse für Unternehmen, die an der Herstellung von Streu-, chemischen und biologischen Waffen, Antipersonenminen und abgereichertem Uran beteiligt sind". Auch Tabak und thermische Kohle werden ausgeschlossen. "Durch die Änderung des Index kann der ETF gemäß SFDR als Artikel-8-Produkt klassifiziert werden", heißt es in der Pressemitteilung.

"Mit der Einführung eines stärker fokussierten und gescreenten Index wollen wir Anlegern die Sicherheit geben, dass ihr Kapital Europas legitime Verteidigungsfähigkeiten unterstützt und zugleich hohen Verantwortungsstandards genügt", lässt sich Hector McNeil, Mitgründer und Co-Chef des ETF-Anbieters, in der Mitteilung zitieren. (bm)