Roundhill Investments hat bei der US-Börsenaufsicht SEC die Genehmigung beantragt, sechs ETFs aufzulegen, die es Investoren ermöglichen würden, über herkömmliche Brokerage-Konten auf den Ausgang von US-Wahlen zu setzen – der bislang ambitionierteste Versuch, Prognosemärkte in den Mainstream der Finanzindustrie zu bringen.

Die in einem am 13. Februar veröffentlichten Antrag offengelegten börsengehandelten Fonds decken Präsidentschafts-, Senats- und Repräsentantenhauswahlen beider Parteien ab. Die Ticker – BLUP, REDP, BLUS, REDS, BLUH und REDH – stehen für Fonds mit Namen wie "Roundhill Democratic President ETF" und "Roundhill Republican Senate ETF".

Binäre Event-Kontrakte als Basis
Jeder Fonds würde sogenannte Event-Kontrakte halten, eine Klasse von Derivaten, die entweder bei einem oder null Dollar abrechnen. Wer auf die siegreiche Partei setzt, erhält die Auszahlung. Wer falsch liegt, dessen Kontrakte verfallen wertlos – der Fonds rollt jedoch in den nächsten Wahlzyklus weiter und wird neu ausgerichtet: Präsidentschafts-ETFs von 2028 auf 2032, Kongressfonds von den Midterms 2026 auf 2028.

"Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Grenzen des ETF-Mantels ausgelotet werden", sagte Todd Sohn, Chief ETF Strategist beim Research-Unternehmen Strategas. "ETFs sind in der Regel involviert, sobald es ein 'heißes' Asset oder eine neue Möglichkeit gibt, Exposure zu erhalten. Es braucht nur einen Antrag, um den Stein ins Rollen zu bringen – und Prognosemärkte sind die nächste Front."

Rückenwind von der US-Derivateaufsicht
Der Antrag folgt auf die Entscheidung der US-Derivateaufsicht CFTC vom 4. Februar, einen Vorschlag aus der Biden-Ära formell zurückzuziehen, der politische Event-Kontrakte verboten hätte. Vorsitzender Michael Selig erklärte, die vorherige Administration habe ihre Kompetenzen überschritten, indem sie die Kontrakte vollständig verbieten wollte. Er kündigte neue Regeln auf Grundlage "verantwortungsvoller Innovation" an.

Am Montag (16.2.) ging Selig noch weiter und schrieb im "Wall Street Journal", die CFTC werde einen Amicus-Brief zur Unterstützung von Crypto.com gegen staatliche Regulierungsbehörden einreichen, die Event-Kontrakt-Märkte schließen wollen. Am Dienstag (17.2.) veröffentlichte das offizielle X-Konto von Selig ein Video, in dem er warnte, dass jeder, der die Autorität der Behörde infrage stelle, mit rechtlichen Schritten rechnen müsse: "Wir sehen uns vor Gericht."

Prognosemärkte mit Milliardenvolumen
Prognosemärkte haben bereits gezeigt, dass Nachfrage nach handelbaren Wahlwahrscheinlichkeiten besteht. Die beiden dominierenden Plattformen Polymarket und Kalshi setzten Milliarden um, wobei das wöchentliche Handelsvolumen im Februar 4,5 Milliarden Dollar überstieg. Die Präsidentschaftswahl 2024 galt als Durchbruchsmoment.

Bislang erfordern diese Plattformen jedoch eigene Konten, Krypto-Wallets oder spezielle Zugangswege. Ein ETF-Mantel könnte die Vertriebslogik für Prognosewetten grundlegend verändern. Politische Event-Kontrakte würden in das 14 Billionen Dollar schwere US-ETF-Ökosystem integriert – zugänglich für registrierte Anlageberater, Modellportfolios und selbstentscheidende Privatanleger über klassische Brokerage-Plattformen.

Genau diese Lücke adressiert Roundhill. Die Prognoseplattformen haben das Konzept bewiesen. Der ETF-Mantel würde die Infrastruktur liefern, um es zu skalieren.

Hohe Risiken und offene Fragen
Der Antrag stellt klar, dass der mit der unterlegenen Partei verbundene Fonds "nahezu seinen gesamten Wert" bei der Abrechnung verlieren wird, bevor er sich auf neue Positionen im nächsten Zyklus ausrichtet. Die Volatilitätsdynamik erinnert eher an Sportwetten als an traditionelle Asset Manager – mit starken Ausschlägen rund um TV-Debatten, Gerichtsentscheidungen, Umfrageschocks oder den Wahlabend selbst.

Der Antrag lässt zentrale Fragen offen. Sollte die SEC jedoch einen ETF-Mantel für politische Event-Kontrakte genehmigen, könnte der Rahmen potenziell auf jede binäre oder begrenzte Entwicklung ausgeweitet werden: Konjunkturdaten, geopolitische Ereignisse, politische Entscheidungen oder überraschende Unternehmensgewinne.

"Es ist schwer, den Mehrwert zu erkennen", sagte Jackson Gutenplan, Market Structure Research Analyst bei "Bloomberg Intelligence". "Der ETF-Mantel bietet ein für Privatanleger zugängliches und nutzerfreundliches Vehikel. Aber Prognosemärkte sind in erster Linie ein Retail-Produkt, und bereits heute kann jeder in den USA ökonomisches Exposure auf diese Ereignisse eingehen."

Regulatorischer Konflikt zeichnet sich ab
Eine Genehmigung würde zudem in eine Phase regulatorischer Auseinandersetzungen fallen. Kalshi wird von mehreren staatlichen Glücksspielaufsichtsbehörden – darunter Nevada, New Jersey und Massachusetts – verklagt. Diese argumentieren, Event-Kontrakte seien Glücksspiel und unterlägen dem jeweiligen Landesrecht, nicht der bundesstaatlichen Derivateaufsicht.

Die ETF-Industrie hat in den vergangenen zehn Jahren immer wieder einstige Nischenstrategien in die Fondsstruktur integriert – von Volatilitätsfutures über Private Credit bis hin zu Spot-Bitcoin. Jede Erweiterung testete die Grenzen dessen, was der ETF-Mantel aufnehmen kann, während es weiterhin als Investmentprodukt vermarktet wird. Politische Event-Kontrakte würden diese Grenze weiter verschieben.

Roundhill kennt dieses Terrain. Das Unternehmen verwaltet Dutzende ETFs, die Themen von künstlicher Intelligenz über Einzelaktien-Optionsstrategien bis zu den "Magnificent Seven" abdecken. Nun schlägt die Gesellschaft keinen ETF auf Unternehmen vor, die Glücksspiel ermöglichen – sondern einen Mantel um die Wette selbst. (mb/Bloomberg)