Das alte Jahr geht zu Ende, und mit ihm auch ein Stückchen Geschichte der Bundesrepublik: Am 31. Dezember 2019 verabschiedet sich der Bund aus dem Anlagegeschäft mit Privatkunden und stampft auch die bis zuletzt beliebte Tagesanleihe ersatzlos ein. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Die gemeinsame Geschichte von Bund und Privatanlegern reicht bis ins Jahr 1969 zurück: Damals wurden erstmals Bundesschatzbriefe aufgelegt, mittels derer private Investoren Geld über Jahrzehnte hinweg sicher und stattlich verzinst parkten. Die Tagesanleihe, das jüngste – und letzte – entsprechende Produkt für Privatanleger, führte der Bund im Jahr 2008 ein. Das Instrument erlaubte es ihnen, ähnlich wie beim Tagesgeld der Banken zu einem marktüblichen Zins Geld unkompliziert und täglich kündbar anzulegen. Gebühren fielen, anders als bei vergleichbaren Angeboten von Geschäftsbanken, dabei nicht an. 

Große Popularität
Die neue Tagesanleihe erfreute sich schon bald großer Beliebtheit. Denn: Nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise, ausgelöst durch den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, verloren die Bundesbürger das Vertrauen in die Banken. Bares beim Staat anzulegen, schien vielen deutlich sicherer zu sein. So steckten bereits Ende 2008 satte 3,2 Milliarden Euro in der Tagesanleihe.

In den darauffolgenden Jahren führte das Niedrigzinsniveau jedoch dazu, dass das Geschäft für den Bund immer unrentabler wurde. Zwar lief die Tagesanleihe weiter, und Zinsen, die Privatanleger aus Staatsanleihen erhielten, durften sie in dem Instrument auch nach wie vor parken. Neues Geld konnte in Tagesanleihen aber nicht mehr angelegt werden. 

Nie unter null Prozent
Seit Anfang Oktober 2014 wirft die Tagesanleihe nun schon keine Erträge mehr ab. Doch weil der Bund in Zeiten von Negativzinsen garantierte, sie werde nie unter null Prozent fallen, parkten Privatanleger munter weiter Liquidität in dem sicheren Produkt. Knapp 800 Millionen Euro lagerten der SZ zufolge noch Ende November 2019 in den sogenannten Schuldbuchkonten.

Damit ist nun Schluss. Bereits im vergangenen März hatte die Finanzagentur, die für das Schuldenmanagement der Bundesrepublik zuständig ist, mitgeteilt, dass die ursprünglich als unbefristet angepriesene Tagesanleihe gekündigt werde. Das hat sie jetzt wahrgemacht. Die auf etwa 22.000 Konten geparkten Summen sollen daher Anfang 2020 an die Anleger zurücküberwiesen werden, schreibt die SZ. (am)