Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat wie im Februar angekündigt ein weiteres Produktverbot für Privatanleger beschlossen – Differenzkontrakte mit Nachschusspflicht (Contracts for Difference, CFDs) hatte die Behörde bereits 2017 verboten. Ab dem 1. Januar 2023 dürfen private Kleinanleger über Wertpapierfirmen keine Futures mit Nachschusspflicht erwerben, der direkte Kauf der Terminkontrakte ist ihnen ohnehin untersagt. Die Behörde stört sich daran, dass Finanzprodukte mit einer Nachschusspflicht unbegrenzte Verluste nach sich ziehen können. Allerdings sieht die am 30. September veröffentlichte Allgemeinverfügung der Aufsicht eine Ausnahme vor, wie diese mitteilt.

Demnach dürfen Kleinanleger auch in Zukunft weiter Futures mit Nachschusspflicht handeln, wenn sie damit realwirtschaftliche Preisrisiken absichern. Sie müssen den Absicherungszweck dann vorab gegenüber ihrem Wertpapierdienstleistungsunternehmen bestätigen. Absicherungsmöglichkeiten seien etwa besonders bedeutsam für Agrarbetriebe, aber auch für andere Unternehmen der Realwirtschaft, so die Bafin.

Übergangsregelung
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass der Future-Handel für Kleinanleger dann möglich bleibt, wenn ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen die Nachschusspflicht vertraglich ausschließt und Anleger somit nicht mehr als den investierten Betrag verlieren können. Zudem gilt eine Übergangsregelung: Nicht von der Bafin-Maßnahme erfasst sind Future-Kontrakte, mit denen Positionen abgewickelt oder geschlossen werden, die vor Inkrafttreten der Allgemeinverfügung eröffnet wurden.

Die Aufsicht reagiert damit auf Mini- und Micro-Future-Produkte, die vermehrt auf den Markt kommen und die sich aufgrund ihrer geringeren Kontraktgröße und damit niedrigeren Eintrittsschwelle speziell an diese Kundengruppe richten. "Mit ihrer Produktinterventionsmaßnahme stellt die Aufsichtsbehörde sicher, dass sich der Verlust von Kleinanlegern beim Future-Handel auf den Betrag beschränkt, den diese investiert haben", schreibt die Bafin. (jb)