Geldhäuser finanzieren heute mehr als 90 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie 80 Prozent der Großunternehmen in Europa. Allein im Energiesektor haben die 35 größten Banken zwischen 2017 und 2019 drei Billionen US-Dollar an Finanzmitteln bereitgestellt. Damit nehmen Banken eine zentrale Rolle im Wirtschaftssystem ein und werden zu Schlüsselfiguren im Kampf gegen die Klimakrise, sagen Stephanie Maier, Impact-Investment-Chefin bei GAM Investments, und Romain Miginiac, Forschungsleiter beim Unternehmensanleihe-Manager Atlanticomnium.

Geldverleihern kommt ein wichtiger Multiplikatoreffekt zu, weil sie in Kundengesprächen verstärkt auf Klimarisiken hinweisen und Umweltkriterien bei ihrer Kreditvergabe berücksichtigen können, argumentieren die beiden Fachleute. Wird dieser Ansatz weiter konsequent verfolgt, könne die Finanzbranche einen erheblichen Beitrag dazu leisten, die Wirtschaft bis 2050 in Richtung Netto-Nullwachstum bei den Emissionen zu führen.

Warum Green Bonds wichtiger werden
Maiers und Miginiacs Ansicht nach bilden "grüne" Anleihen einen der wichtigsten Mechanismen, um institutionelles Kapital in Richtung nachhaltige Wirtschaft umzuleiten. Weltweit ist das Emissionsvolumen bei Green Bonds im Jahr 2020 deutlich gestiegen. Damit sich diese Entwicklung auch zukünftig fortsetzt, braucht es eine umfassende Regulierung, schreiben die Investmentexperten. So könne die Einführung von Klima-Stresstests dabei helfen, durch Kapitalzuschläge für nicht klimagerechte Finanzierungen die Kapitalplanung der Banken zu beeinflussen. 

Langfristig kann man sich jedoch nicht allein auf die Banken verlassen, sagen Maier und Migniac: "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sich die Anleger in grünen Anleihen engagieren, um hohe Standards zu gewährleisten und solche zu vermeiden, die keinen echten Nachhaltigkeitszweck verfolgen." (fp)