Das Analysehaus Franke und Bornberg hat das Update 2020 seiner "BU- Leistungspraxisstudie" vorgelegt. Es bezieht sich auf eigene Untersuchungen Ende 2019 zum Geschäftsjahr 2018 von fünf großen Versicherern für Berufsunfähigkeit (BU-Versicherer), die zusammen das Gros aller Leistungsfälle abdecken: Generali Deutschland (bis vor kurzem firmiert als Aachen Münchener), die Ergo Vorsorge, HDI, die Nürnberger und diesmal neu auch Zurich Deutscher Herold. Dafür sind aus dem Vorjahr die Swiss Life und die Allianz nicht mehr dabei (FONDS professionell ONLINE berichtete).

"Die Datengrundlage für die BU-Leistungspraxisstudie wird jeweils von dem Kreis von Versicherern gebildet, die sich im zurückliegenden Jahr an unserem BU-Unternehmensrating oder BU-Leistungspraxisrating beteiligt haben", erklärt Christian Monke, Leiter Analyse bei Franke und Bornberg. Ratings für die Allianz und die Swiss Life seien zuletzt 2018 erstellt und Anfang 2019 veröffentlicht worden. "Daher liegt uns für beide Gesellschaften kein aktueller Datenstand vor", erläutert Monke auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE.

In der "BU- Leistungspraxisstudie" wurden also nicht zufällig die Anbieter untersucht, die sich zuletzt dem BU-Unternehmens-Rating bei Franke und Bornberg unterzogen hatten und allesamt als „hervorragend“ bewertet wurden. Zurich Deutscher Herold hatte im BU-Leistungspraxisrating mit "sehr gut" abgeschnitten. Zusammen bringen es die fünf Gesellschaften auf einen Bestand von 3,9 Millionen BU-Versicherten, von denen 73.475 zum Jahresende 2018 BU-Leistungen bekamen, davon 21.722 Neuanmeldungen 2018.

Schwankende Teilnehmerzahl beeinflusst Datenbasis
Im Vorjahr waren es bei insgesamt sechs Studienteilnehmern 32.808 Neuanmeldungen auf BU-Leistung gewesen. Seinerzeit wurden 14.500 Fälle ausgewertet. Im Bestand der sechs Anbieter gab es 6,82 Millionen BU-Verträge, von denen rund 142.200 Kunden BU-Leistung bezogen. Die aktuelle Studie ist weniger repräsentativ, da die Branche offensichtlich eine geringere Bereitschaft zur Transparenz zeigt, lässt aber Benchmarks zu und liefert belastbare Fakten zur BU-Regulierung. Die Vergleichszahlen zum Vorjahr sind mit Vorsicht zu genießen.

Das Ergebnis: Die BU-Leistungsquote der fünf Versicherer beträgt knapp 80 Prozent (2017: 82,86 Prozent; 2016: 76 Prozent). Je nach Rentenhöhe gibt es keine signifikanten Unterschiede. Zieht man nur Fälle heran, bei denen die versicherte Monatsrente mindestens 300 Euro beträgt, liegt die Leistungsquote bei 76,4 Prozent. "Dass Versicherer knauseriger werden, wenn die Rente eine bestimmte Höhe erreicht, bestätigt sich auch oberhalb der 300 Euro nicht", sagt Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg. Das zeige die detaillierte Auswertung der Leistungsquoten nach Rentenhöhe (siehe Grafik).

Ablehnung: Meist wird der versicherte BU-Grad nicht erreicht
Bei keiner der untersuchten Gesellschaften fanden die Analysten Anhaltspunkte für Leistungsverweigerung mit System. Die meisten Ablehnungen erfolgen, weil der vertraglich vereinbarte BU-Grad (in der Regel 50 Prozent) nicht erreicht wird. Auf diesen Sachverhalt entfallen 55 Prozent aller negativen Entscheidungen (siehe Grafik).

Bei jungen Erwachsenen im Alter von 17 bis 35 Jahren liegt die Ablehnungsquote deutlich über dem Durchschnitt . Die Ursache dafür ist vor allem in einer Anfechtung oder einem Rücktritt des Versicherer wegen Verletzungen der vorvertraglichen Anzeigepflicht des Kunden zu sehen. Satte 47 Prozent aller Ablehnungen aus solchen Gründen entfallen auf diese Altersgruppe. Dagegen wird eine BU-Rente besonders häufig für Versicherte zwischen dem 46. und 58. Lebensjahr bewilligt.

Psychische Erkrankungen weiter an der Spitze
Wichtigster Leistungsauslöser bei Erkrankungen, die zur Berufsunfähigkeit führen, waren auch 2018 psychische Krankheiten und Verhaltensstörungen. Sie stellen mit 26,6 Prozent mehr als ein Viertel aller Anerkennungen (Vorjahr: über 30 Prozent). Es folgen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems mit 23,8 Prozent (Vorjahr: 27 Prozent).

Krebserkrankungen, in Statistiken als „bösartige Neubildungen“ geführt, liegen inzwischen mit 19,1 Prozent auf Platz drei und haben die Herz-Kreislauf-Krankheiten abgelöst, auf die nur noch 7,2 Prozent der krankheitsbedingten BU-Fälle kommen (Vorjahr: 15 Prozent). Unsicher sei die Datenlage für Unfälle. „Hier gibt es nicht immer eine eindeutige Abgrenzung zu Krankheiten, die aus einem Unfall resultieren“, erklärt Franke.

Mehr Daten auf Nachfrage der Redaktion
Diesmal sind viele Daten zur BU-Regulierung noch nicht veröffentlicht worden. Auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE reichte Monke sie nach: So wurde eine BU-Rente in 89 Prozent der Fälle bedingungsgemäß bewilligt (Vorjahr: 92,7 Prozent), in fast acht Prozent der Fälle durch außergerichtliche Individualvereinbarung (Vorjahr: 5,3 Prozent) und zu fast drei Prozent durch gerichtlichen Vergleich (Vorjahr: 2,0 Prozent).

Das Durchschnittsalter aller ausgewerteten BU-Fälle betrug bei den Bewilligungen 46 Jahre, bei den Ablehnungen 41 Jahre. Die durchschnittliche Leistungsdauer blieb wie im Vorjahr bei nur 5,6 Jahren. Die Dauer der Leistungsprüfung lag erneut  bei knapp 180 Tagen im Schnitt. Weitere Details sollen in Kürze im Unternehmensblog von Franke und Bornberg veröffentlicht werden. Franke und Bornberg hatte zuletzt 2019 ein BU-Produktrating vorgelegt und zahlreiche Tarife für "hervorragend" befunden (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die aktualisierten Ergebnisse sind im Internet zu finden. (dpo)