Er nervt Schüler und Studierende, versetzt hauptberufliche Schreiber ins Staunen und erhitzt regelmäßig die Gemüter von Sprachtraditionalisten: Die Rede ist vom Rechtschreibwörterbuch "Duden", das 2017 in der 27. Ausgabe auf den Markt kam. 

Im Gegensatz zu einstigen Standardwerken wie dem "Großen Brockhaus" gibt es den Duden nach wie vor auch in gedruckter Version – wobei die aktuelle Fassung mit 1.264 Seiten die umfangreichste aller Zeiten ist, wie der Verlag feststellt. Insgesamt rund 145.000 Worte sind darin zu finden, darunter circa 5.000 neue. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 waren es erst 135 .000 Begriffe. Die Urfassung des Rechtschreib-Kompendiums von 1880 kam mit nur 27.000 Stichwörtern aus.

Um zu entscheiden, ob Worte "Duden-würdig" sind, durchstöbern Computerlinguisten ständig eine riesige elektronische Textsammlung, in die Zeitungsartikel, Gebrauchsanweisungen und Bücher eingespeist werden. Kommen Begriffe häufig genug und über einen gewissen Zeitraum vor und bilden demnach "gesellschaftliche Entwicklungen" ab, werden sie ins Wörterbuch aufgenommen. Sind sie nicht mehr gebräuchlich, fliegen sie wieder heraus.

Amüsanter Rundgang über den "Wortfriedhof"
Einer der Lektoren hat nun minutiös aufgeführt, welche Begriffe dem Zeitgeist über die Jahre zum Opfer fielen. In seinem gerade erschienenen Buch "Was nicht mehr im Duden steht" lädt der Autor Peter Graf zu einem Ausflug auf den "Wortfriedhof" der Duden-Redaktion ein.

Unter den verschwundenen Termini findet sich manche Kuriosität, deren Bedeutung man heutzutage bestenfalls erraten kann. Oder wüssten Sie auf Anhieb, was mit "Zugemüse" gemeint war? Nicht viel anders ergeht es modernen Lesern wohl beim "Überschwupper", einer Eindeutschung von "Pullover", die schon 1941 aus dem Duden eliminiert wurde. Der "Schwitzer" hingegen, die deutsche Variante von "Sweater", blieb bis in die 1960er Jahre im Register. Und die Essensbeilage "Zugemüse" schaffte es immerhin bis in die Edition von 2000.

Zahlreiche Neuzugänge
Doch im aktuellen Duden gibt es nicht nur Streichungen, sondern auch eine Fülle an Neuaufnahmen. Neben Begriffen wie Flüchtlingskrise, Kopfkino, Bierdusche, Livestream, postfaktisch, Lügenpresse, Willkommenskultur oder Brexit findet sich eine ansehnliche Ansammlung von Wörtern, die ihren Ursprung in der Wirtschaftswelt haben.

Eine Auswahl von Finanzbegriffen, die in der aktuellen Version oder in der Vorausgabe der Rechtschreib-Sammlung erstmals aufgeführt wurden und was sie laut Duden-Definition bedeuten, zeigt unsere Bilderstrecke oben in alphabetischer Reihenfolge. (ps)