Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer befürchten, jemals berufsunfähig zu werden. Die Realität sieht anders aus, denn tatsächlich müssen 25 Prozent der Beschäftigten in Deutschland vorzeitig ihr Arbeitsleben aus gesundheitlichen Gründen beenden. Als häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit (BU) vermuten Verbraucher Rückenleiden und Unfälle, doch tatsächlich sind es psychische Erkrankungen.

Dies sind nicht die einzigen Wissenslücken respektive Falschannahmen rund um das existenzielle Risiko, wie eine aktuelle Umfrage des Versicherers Continentale zur Berufsunfähigkeit 2019 zeigt. Die Studie liefert Vermittlern gute Ansatzpunkte für ihre Beratung, weil sie Fehleinschätzungen und Irrtümer gezielt aufgreifen können.

Fehleinschätzungen am laufenden Band
"Mangelnde Informiertheit ist beim Thema BU weiterhin die größte Hürde", sagt Helmut Hofmeier, Vorstand Leben im Continentale Versicherungsverbund. "Trotz aller Aufklärungsarbeit – nicht nur von Versicherern und Vermittlern, sondern auch Verbraucherschützern und Medien – zeigt sich: Wir müssen hier am Ball bleiben", so Hofmeier.

Irrtümer zeigen sich nicht nur bei den Ursachen, sondern auch bei den Möglichkeiten, sich finanziell abzusichern. So meinen 64 Prozent der Befragten, auch mit einer Unfallversicherung vor den finanziellen BU-Folgen ausreichend geschützt zu sein. Tatsächlich werden über 90 Prozent der Betroffenen durch Krankheit berufsunfähig – da geht eine Unfallpolice ins Leere.

Als weitere Optionen zur BU-Absicherung nennen 68 Prozent Immobilien, 66 Prozent Sparen, 51 Prozent eine Lebensversicherung und 49 Prozent eine private Krankenzusatzversicherung (Mehrfachnennungen erlaubt). "Das ist fatal, denn diese Maßnahmen helfen entweder gar nicht oder nicht langfristig", warnt Hofmeier. Immerhin halten 68 Prozent auch eine BU-Police für den geeigneten Schutz, doch nimmt diese Meinung im Vergleich zu den anderen Maßnahmen nicht die herausragende Rolle ein, die ihr eigentlich gebührt. Daran habe sich seit der ersten Erhebung 2008 nichts geändert, heißt es bei der der Continentale.

Weitere Hürden: Misstrauen und Vorurteile
Wie die Studie zeigt, bestehen einige Vorurteile: So fürchten 44 Prozent, der Versicherer leiste bei selbstverschuldeten Unfällen nicht, obwohl das nicht stimmt. Darüber hinaus glauben 42 Prozent, die privaten und gesetzlichen Leistungen würden verrechnet. 63 Prozent sagen zudem, der Versicherer zahle im Ernstfall meistens nicht, weil er sich auf irgendwelche Klauseln beziehe. Dieses Misstrauen ist gerade bei der BU-Vorsorge verbreitet. Tatsächlich würden aber nur 0,5 Prozent aller Leistungsanträge mit Hinweis auf Klauseln abgelehnt, heißt es vonseiten der Continentale.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Bürger nicht wissen, wem der so wichtige Versicherungsschutz offensteht. Die Mehrheit der Befragten glaubt fälschlicherweise, dass zum Beispiel Schüler und Studenten gegen den Verlust der Arbeitskraft nicht versicherbar seien. Da 71 Prozent glauben, dass eine BU-Versicherung zu teuer ist, "sollte die Police so früh wie möglich abgeschlossen werden, denn je früher, desto günstiger ist sie", rät Hofmeier. 

Vermittler: An den Produkten liegt es nicht
Für die Untersuchung wurden zudem fast 240 Vermittler zu den Hürden bei der BU-Vorsorge befragt. Sie kennen die Vorbehalte ihrer Kunden gegenüber einer BU-Vorsorge recht gut. So vermuten 80 Prozent, den Kunden sei die Versicherung zu teuer, und 75 Prozent, dass ihnen das Risiko nicht bewusst ist. Aber ein anderes Problem wiegt noch schwerer: Nach Ansicht von 91 Prozent schieben viele Menschen das Thema einfach vor sich her. An den Produkten selbst liege es nicht. Nur elf Prozent der Vermittler sehen hier Verbesserungsbedarf.

Die Studien-Unterlagen zeigen obendrein, dass die Befragten offenbar sehr blauäugig mit der Invaliditätsvorsorge und damit dem finanziellen Ausgleich dauerhaften Einkommensausfalls umgehen. So würden 12 Prozent nichts für den BU-Schutz ausgeben und 25 Prozent allenfalls zehn Euro pro Monat (siehe Grafik). 55 Prozent würden bis zu 25 Euro zahlen. Das reicht für einen Schutz durch eine BU-Versicherung meist nicht aus – außer bei jungen Versicherten mit speziellen Tarifen.

Quelle: Continentale

Kommt es zum Abschluss einer BU-Police, geschieht dies nach Angaben der Verbraucher zu 77 Prozent klassisch bei einem Versicherungsvermittler. Jeder Zehnte hat ein Vergleichsportal im Internet genutzt. Insgesamt acht Prozent haben den Schutz zudem direkt beim Versicherer auf der Homepage (6 Prozent) oder per Telefon (2 Prozent) abgeschlossen.

BU-Policen deutlich teurer als 25 Euro im Monat
Doch was kostet eine BU-Police tatsächlich? In der Juli-Ausgabe von "Finanztest" hat die Stiftung Warentest 59 Tarife geprüft und davon 35 für sehr gut befunden. Genannt wurden Preisbeispiele für drei relativ junge Kunden und Berufsgruppen. Ein Controller (30) zahlt für 2.000 Euro Monatsrente bis zum Endalter 67 bei einem sehr gut getesteten Tarif laut Finanztest im Moment bei Versicherern mit Maklervertrieb zwischen 831 Euro netto (Canada Life) und 1.252 Euro Jahresbeitrag (Württembergische). Aufgezinst auf Monatsbeiträge sind das ungefähr 70 bis 110 Euro.

Ein Industriemechaniker (25) mit Kind zahlt für 1.500 Euro Monatsrente bis zum Endalter 67 bei einem sehr gut getesteten Tarif im Moment bei Versicherern mit Maklervertrieb zwischen 1.018 Euro netto (Axa) und 2.948 Euro Jahresbeitrag (WWK). Aufgezinst auf Monatsbeiträge sind das ungefähr 86 bis 247 Euro. Eine Arzthelferin (25) zahlt für 1.000 Euro Monatsrente bis zum Endalter 67 bei einem sehr gut getesteten Tarif im Moment bei Versicherern mit Maklervertrieb zwischen 618 Euro netto (Basler) und 1.127 Euro Jahresbeitrag (Axa). Aufgezinst auf Monatsbeiträge sind das ungefähr 53 bis 95 Euro.

Auswahl von Finanztest nutzt den meisten Lesern nichts
Schön und gut, doch den meisten Verbrauchern hilft die Aufstellung herzlich wenig. Erstens gibt es je nach Versicherer regelrecht abschreckende Tarife für viele andere Berufszweige, in denen die Gesellschaften schadenträchtige und damit teure Kunden wittern. Und zweitens hält Finanztest selbst als ausreichende BU-Rentenhöhe pro Monat ungefähr 70 bis 80 Prozent des bisherigen Einkommens für angemessen. Damit jedoch dürften die Modellfälle allesamt unterversichert sein.

Wie nicht anders zu erwarten, lässt sich eine BU-Versicherung kaum ohne professionelle Hilfe abschließen, obwohl die Tester genau dafür eine Handlungsanleitung beigefügt haben. Verbraucher sind also gut beraten, einen auf Biometrie spezialisierten Versicherungsmakler zu suchen. Das Analysehaus Franke und Bornberg hat zuletzt ein BU-Produktrating vorgelegt und 68 SBU-Tarife von insgesamt 234 untersuchten für hervorragend befunden (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die vollständigen Ergebnisse stehen kostenlos im Internet.

Aus ihrer langjährigen Beratungstätigkeit haben Makler zuletzt in einer BBG-Studie ihre Favoriten unter den BU-Anbietern genannt. Am häufigsten wurde dabei die Alte Leipziger erwähnt (28,7 Prozent der Nennungen), gefolgt von Swiss Life (10,3 Prozent), Volkswohl Bund (7,3 Prozent), Allianz (6,5 Prozent) und Continentale (6,1 Prozent). (dpo)


Die repräsentative Befragung der Continentale wurde – wie schon 2008 und 2011 – in Zusammenarbeit mit den Meinungsforschern von Kantar (ehemals TNS Infratest) durchgeführt. Befragt wurden 1.348 Berufstätige, Studenten und Auszubildende. Die vollständige Continentale-Studie zur Berufsunfähigkeit 2019 können Interessierte hier herunterladen.