Das extreme Niedrigzinsniveau und dann auch noch der Börsencrash im Frühjahr 2020: Die meisten Inhaber von indexgebundenen Rentenversicherungen hatten im abgelaufenen Jahr keinen Grund zu Freude. Auch den Anbietern ist diese äußerst ungünstige Konstellation gründlich in die Quere gekommen. So haben die Condor, VGH und Generali inzwischen Konsequenzen gezogen und ihre Indexpolicen aus dem Produktportfolio entfernt, wie das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) mitteilt (lesen Sie hierzu auch den Kommentar von FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch: "Indexpolicen: Besser keine als so eine").

Einst Lieblingskind der Lebensversicherer
Dabei waren Indexpolicen, seit die Allianz im Jahr 2007 mit ihrem Vorsorgekonzept "Index Select" das erste Produkt dieser Art herausbrachte, immer mehr zum Lieblingskind der deutschen Versicherer geworden. Das überrascht nicht: Da in der Regel keine garantierte Verzinsung vorgesehen ist, helfen indexgebundene Policen dabei, die Zinslast über alle Bestände hinweg abschmelzen zu lassen. 

Auch bei Vermittlern erfreuten sich die Produkte, die Sparern eine gewisse Sicherheit und zusätzliche Erträge über Indexbeteiligungen versprechen, lange großer Beliebtheit. Rund 70 Prozent aller Versicherungsmakler, die das IVFP im vergangenen Jahr für eine Analyse befragte, gaben an, Indexpolicen aktiv zum Kauf anzubieten.

Kaum noch Bruttobeitragsgarantien
Bei indexgebundenen Policen setzt der Versicherer erzielte Überschüsse je nach Kundenwunsch für eine Indexbeteiligung ein oder verzinst sie zumindest zum Teil sicher. Während die ersten Produktgenerationen durchweg mit einer hundertprozentigen Bruttobeitragsgarantie versehen waren, sind viele Anbieter bei neueren Tarifen allerdings dazu übergegangen, nur noch eine prozentuale Garantie zu geben. Andernfalls ließen sich aufgrund der dauerhaften Niedrigzinsen kaum noch Überschüsse erwirtschaften.

Wird der Überschuss für eine Indexbeteiligung gewählt, so werden erzielte Erträge und Verluste innerhalb eins zwölfmonatigen Indexzyklus zu bestimmten Stichtagen ermittelt, am Ende des Indexjahres saldiert und festgeschrieben. Steht am Ende des Zwölfmonatszyklus ein Minus, geht der Überschuss verloren, das angesparte Kapital bleibt jedoch zumindest in Höhe der Bruttobeitragsgarantie erhalten. 

Preis für die Verlustbegrenzung
Sozusagen als "Preis" für die Verlustbegrenzung sind die bei einer positiven Indexentwicklung möglichen Erträge nach oben hin begrenzt. Denn Derivate, die eine unbegrenzte Partizipation an Kursgewinnen zulassen würden, wären zu teuer.

Kommt ein Cap zum Einsatz, werden Erträge aus einer positiven monatlichen Indexentwicklung, die oberhalb einer fixierten Marke liegen, abgeschnitten. Ein Verlust schlägt voll zu Buche. Eine Quote legt die prozentuale Partizipation an der Wertsteigerung des Index fest. Fällt die Entwicklung negativ aus, werden auch hier Verluste vollständig angerechnet.

Der Vorteil von Quoten
Der Vorteil von Indexmodellen, die mit einer Partizipationsquote arbeiten: In guten Börsenphasen, etwa in den Monaten nach dem Corona-Crash, bescheren sie Anlegern in Regel höhere Erträge als Cap-Modelle. Daher haben einige Unternehmen, darunter die R+V, dem IVFP zufolge ihre Indextarife inzwischen überarbeitet und setzen nun auf eine Quote statt auf einen Cap.

Zwar waren nach Berechnungen des IVFP auch solche Policen 2020 – je nach Ende des Indexzyklus – häufig nicht in der Lage, positive Renditen zu erzielen. Policen-Modelle, die auf dem Cap-Verfahren basieren, konnten den Börsen-Crash vom Frühjahr aber noch weniger kompensieren und seltener Gutschriften aus der Indexbeteiligung an ihre Kunden weitergeben.

Eine Übersicht über die erzielten Renditen der Policen, deren Indexjahr 2020 endete, bietet die untenstehende Tabelle des IVFP. (am)