In zwei Tagen ist es soweit, dann wird es den einst als Flaggschiff gefeierten Nordea 1 – European Value Fund nicht mehr geben. Ende August hatte der Verwaltungsrat der Gesellschaft beschlossen, den über 20 Jahre von Tom Stubbe Olsen gemanagten Fonds mit dem Schwesterprodukt Nordea 1 – European Stars Equity Fund zu verschmelzen. Wir haben mit Dan Sauer, Vertriebschef für Zentraleuropa bei Nordea Asset Management, über den Fonds-Merger gesprochen.


Herr Sauer, was waren die Gründe für den Merger? 

Dan Sauer: Zunächst einmal ist es wichtig, Tom Stubbe Olsen und seinem Team unseren Dank auszusprechen. In der Branche ist es nicht selbstverständlich, über mehr als zwei Jahrzehnte einen gemeinsamen Weg zu gehen, und der Nordea 1 – European Value Fund war einer der ersten und schlussendlich auch einer der größten Fonds, die Nordea lange Zeit auf dem deutschen Markt platzieren konnte. Natürlich war die Wertentwicklung der Value-Strategien in den vergangenen Jahren nicht zufriedenstellend. Aber es ist müßig darüber zu sprechen, ob dieser Trend anhalten wird oder ob sich Anleger eines Tages wieder eher auf den wahren Wert von Unternehmen konzentrieren werden. Wertschwankungen und unterschiedliche Stile prägen nun einmal seit Jahrzehnten den Finanzmarkt. Wichtiger ist, dass wir bei Nordea der festen Überzeugung sind, dass einem zentralen Trend die Zukunft gehört: Nachhaltiges Investieren wird weiter an Bedeutung gewinnen und sowohl von Politik und Regulierung, aber auch Verbrauchern und Investoren unterstützt.

Deshalb auch die Verschmelzung mit dem European Stars Equity Fund?

Sauer: Genau. Das Bekenntnis von Nordea Asset Management, ein verantwortungsbewusster Vermögensverwalter zu sein, ist alles andere als neu. Wir haben als einer der Ersten betont, dass es tief in unserer nordischen DNA verwurzelt ist. Deshalb sind wir inzwischen einer der führenden Asset Manager in Bezug auf ESG-Lösungen. Somit ist der Weg hin zu einer nachhaltigeren Produktpalette, die ESG fest in ihren Anlageprozess integriert, ein Kern unserer strategischen Ausrichtung für die kommenden Jahre. Der Nordea 1 – European Stars Equity Fund als Teil der Stars-Familie folgt diesem Ansatz vollumfänglich und steht stellvertretend für unser Verständnis von nachhaltigem Investieren. Daher ist der Zusammenschluss der beiden Fonds unter diesem Gesichtspunkt sinnvoll. Übrigens, wer auf vergangene Performance schaut: Der Fonds liegt im laufenden Jahr mit 2,5 Prozent im Plus, während der Markt einen Verlust von über elf Prozent aufweist. Und das ist kein Einzelfall. Der älteste Stars-Fonds, aufgelegt im Jahr 2011, hat ein jährliches Plus von 5,68 Prozent erwirtschaftet, während die Benchmark gerade einmal 1,55 Prozent p.a. geschafft hat. Also ein Alpha von 4,13 Prozent pro Jahr. Die Diskussion darüber, ob Nachhaltigkeit Performance kostet, ist mindestens so müßig wie die Diskussion aktiv versus passiv.

Was macht Nordea eigentlich besonders? Schließlich behaupten inzwischen viele Anbieter, ESG sei fest in der DNA ihres jeweiligen Unternehmens verwurzelt.

Sauer: Da haben Sie leider Recht, inzwischen schreibt sich das nahezu jeder Asset Manager auf die Fahne. Letztlich werden aber nur jene glaubhaft bleiben, die das auch nachweislich mit langjähriger Erfahrung, exzellenter Expertise und einem überzeugenden Produktangebot in diesem Bereich belegen können. Wir haben bereits vor über 30 Jahren den ersten Fonds mit Sektoren-Screening für die schwedische Kirche aufgelegt. Schon damals haben wir sogenannte "Sünden-Aktien" wie Tabak, Glücksspiel, Pornografie oder Waffen aus diesen Portfolios verbannt. Seither haben wir kontinuierlich ein Sortiment an innovativen ESG-Produkten entwickelt, die im Bereich nachhaltiger Investments führend sind – allen voran die Stars-Fonds. Ziel dieser Produkte ist es, nicht nur einen Referenzindex zu schlagen, wie es ein aktiver Fonds tut, sondern auch die Welt von morgen positiv und dauerhaft zu gestalten.

Was bedeutet das in der konkreten Umsetzung?

Sauer: Wir haben zum einen ein hauseigenes, mehrfach ausgezeichnetes Responsible-Investment-Team, das inzwischen aus 18 Mitgliedern besteht. Dieses Team unterstützt die Portfoliomanager bei der Ideengenerierung sowie dem Research und erstellt eine detaillierte ESG-Bewertung, die in einem internen Nachhaltigkeits-Rating mündet. Darüber hinaus arbeiten die Teams eng zusammen, wenn es darum geht, mit den Unternehmen in einen direkten Dialog zu treten, um konkrete Verbesserungen im Hinblick auf ESG-Kriterien voranzutreiben. Hier unterscheiden wir uns klar von vielen Asset Managern, die diese internen Ressourcen nicht abbilden können oder wollen und sich stattdessen auf externe Ratings verlassen oder lediglich den Ausschluss einer langen Liste von Unternehmen aus ihren Portfolios praktizieren, ohne damit einen wirklichen Wandel zum Besseren zu unterstützen.

Wofür steht überhaupt die Bezeichnung "Stars"?

Sauer: Stellen Sie sich zwei Dreiecke vor. Das eine Dreieck repräsentiert das Portfolio Management Team, das sich auf die drei Dimensionen der Fundamentalanalyse konzentriert: die Unternehmensbewertung, die strategische Beurteilung und die Erwartungslücke, die es bei einem Investmentkandidaten ermittelt, wenn es die Ergebnisse seiner Analyse mit der Bewertung des Marktes abgleicht. Dann haben wir ein zweites Dreieck, das für das Responsible-Investment-Team steht. Die drei Dimensionen umfassen hier die tiefgehende Analyse der drei zentralen ESG Aspekte "Umwelt", "Soziale Verantwortung" und "Unternehmensführung". Legt man diese beiden Dreiecke nun versetzt übereinander, um die völlige Integration von fundamentaler und ESG-Analyse zeigen, erhält man einen sechseckigen Stern, der der Fondsfamilie ihren Namen gibt. Der erste Stern, der Nordea 1 – Emerging Stars Fund, ging sozusagen 2011 auf. Inzwischen zählt die STARS-Familie 16 Mitglieder, darunter auch Anleihenfonds. Und eines kann ich heute schon versichern: Wir arbeiten an weiteren innovativen STAR-Investmentlösungen.

Wir bedanken uns für das Gespräch. (hh)