Das Institut für Finanzmarkt-Analyse (Infinma) hat ermittelt, welche Versicherer die größten Anbieter von Fondspolicen in Deutschland sind. Konkret hat das Institut hierfür die Position "Kapitalanlagen für Rechnung und Risiko von Inhabern von Lebensversicherungspolicen" in den Geschäftsberichten für das Jahr 2018 der Gesellschaften ausgewertet.

An der Spitze steht demnach die Aachen Münchener mit 16,2 Milliarden Euro, gefolgt von Zurich Deutscher Herold (13,9 Mrd. Euro), Heidelberger Leben (8,1 Mrd. Euro) und Nürnberger (7,3 Mrd. Euro). Auffällig: Mit Heidelberger Leben, Skandia (4,0 Mrd. Euro) und Generali (2,9 Mrd. Euro) sind gleich drei Gesellschaften in den Top-Ten vertreten, die inzwischen das Neugeschäft eingestellt haben.

Branchenkenner kritisiert mangelnde Transparenz
"Leider sind die Informationen zum Bestand an Fondspolicen, die die Unternehmen in ihrem Geschäftsbericht veröffentlichen müssen, relativ überschaubar", kritisiert Infinma-Geschäftsführer Marc Glissmann. So finde man keine Hinweise darauf, wie groß der Anteil der Produkte mit oder ohne Garantie ist. Auch die geförderten Produkte, also Riester- und Basisrente, ließen sich nicht auswerten.

Schon die Beantwortung der Frage nach den Prämieneinnahmen von Fondspolicen sei nicht ganz einfach. In der Bestandsbewegung der Versicherer wird lediglich die Sammel-Position "Sonstige Versicherungen" ausgewiesen, die aber auch Kapitalisierungsgeschäft beinhalte. Im Anhang zur Gewinn- und Verlustrechnung machen die meisten Gesellschaften darüber hinaus weitere Angaben, "allerdings nicht von allen Unternehmen einheitlich", so Glissmann.

Breite Fondspalette wird oft nicht genutzt
Welche Bedeutung Fondspolicen für das gesamte Lebensversicherungsgeschäft einer Gesellschaft haben, lässt sich beispielsweise am Verhältnis der Kapitalanlagen für Fondspolicen zu den konventionellen Anlagen erkennen. Dabei kommen Skandia und Heidelberger Leben auf extrem hohe Werte, was laut Infinma darauf zurückzuführen ist, dass beide Gesellschaften nahezu ausschließlich fondsgebundenes Geschäft gemacht haben. Doch auch bei Aachen Münchener (57,5 Prozent), WWK (68,2 Prozent) und Zurich Deutscher Herold (48 Prozent) steckt verhältnismäßig viel Geld in Anlagen für Fondspolicen-Kunden.

Infinma hat auch einen Blick auf die tatsächlich besparten Fonds bei den einzelnen Anbietern geworfen. "Häufig wird es als Qualitätsmerkmal bezeichnet, wenn eine möglichst große Palette an Fonds zur Auswahl steht, doch die Praxis zeigt deutlich, dass die ganze Breite der Palette sehr häufig gar nicht genutzt wird", berichtet Glissmann. So liegt der Anteil der zehn größten Fonds am gesamten Fondsvolumen bei namhaften Gesellschaften zum Teil sehr deutlich über 50 Prozent. Bei Generali und Heidelberger Leben seien es je fast 90 Prozent, bei Axa 77 Prozent. Lediglich HDI falle mit 48,4 Prozent etwas aus dem Rahmen.

"Man kann also kaum davon reden, dass das komplette Angebot wirklich genutzt wird", so Glissmann weiter. Dafür spräche auch, dass beispielsweise bei Generali und Axa etwa 30 Prozent des gesamten Volumens allein auf den größten Fonds entfallen. Das verwundert Infinma nicht, da die Anbieter häufig hauseigene Fonds nutzen, etwa Allianz, Axa und Generali.

Kleine Anbieter mit höchsten Zuwächsen
Ein etwas anderes Bild ergibt sich naturgemäß, wenn man die Wachstumsraten der Kapitalanlagen betrachtet. Hier weisen in der Regel Gesellschaften mit relativ kleinen Beständen die höchsten Zuwächse auf, erklärt Infinma. An der Spitze liege 2018 die Mylife Leben mit einem Plus von 123 Prozent. Auch die Debeka konnte ihren Bestand mehr als verdoppeln. Ein großer Zuwachs stand auch bei der Öffentlichen Oldenburg (+78 Prozent) und der Öffentlichen Sachsen (+41 Prozent) zu Buche. "Die zehn größten Anbieter hingegen verzeichneten allesamt einen Rückgang der Kapitalanlagen für die Fondspolice", hat Glissmann beobachtet.


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Interessante Einblicke zur Frage, wie sich das Fondspolicen-Geschäft 2018 insgesamt entwickelt hat, gibt auch das "Statistische Taschenbuch der Versicherungswirtschaft 2019", das der Branchenverband GDV jüngst veröffentlichte. Demnach wurden im vergangenen Jahr 213.400 neue fondsgebundene Renten- und Pensionsversicherungen abgeschlossen, nach 222.400 im Vorjahr. Hinzu kommen 46.200 neue fondsgebundene Kapitalversicherungen, das sind rund 1.400 weniger als 2017. Im Vergleich zum Gesamtmarkt bleiben Fondspolicen damit in der Nische: Insgesamt wurden 2018 fast 4,9 Millionen neue Lebensversicherungen abgeschlossen. (dpo/bm)