Es war im Herbst 2017, als der französische Fondsanbieter Métropole Gestion beschloss, sein 2009 eröffnetes Büro in Frankfurt zu schließen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Länderchef Markus Hampel musste sich einen neuen Job suchen – und wurde fündig: Er heuerte im Dezember vergangenen Jahres bei MFS an und leitet seither gemeinsam mit Lars Detlefs das Deutschlandgeschäft des Asset Managers aus Boston. FONDS professionell ONLINE traf ihn in Köln zum Interview.


Herr Hampel, Sie sind nun seit gut einem halben Jahr verantwortlich für das Wholesale-Geschäft von MFS in Deutschland. Was haben Sie sich vorgenommen?

Markus Hampel: Da fallen mir vor allem drei Punkte ein: Ein Ziel ist sicherlich, die Markenwahrnehmung hier in Deutschland zu stärken. Zweitens werden wir das Team hierzulande erweitern, und drittens lautet der Anspruch, unseren Kunden als wirklich langfristiger, verlässlicher Partner zur Seite zu stehen.

Fangen wir mit der Marke an: Ihr Vorgänger Andrea Baron, der das Italiengeschäft von MFS übernommen hat, schaffte es, bei den Beratern in Deutschland ein gewisses Bewusstsein für MFS zu schaffen. Vor wenigen Jahren konnten wohl die wenigsten Marktteilnehmer mit diesen drei Buchstaben etwas anfangen.

Hampel: Auf der herausragenden Arbeit meines Vorgängers möchte ich aufbauen. MFS ist ein sehr traditionsreiches Haus – und deutlich größer, als es vielen Anlageberatern in Deutschland bewusst sein wird. MFS hat 1924 den ersten Aktienfonds in den USA aufgelegt. Schon seit 1932, also seit beinahe 90 Jahren, gibt es eine eigene Research-Abteilung. Dieses Analyse-Knowhow ist ein echtes Asset, mit dem wir künftig noch stärker punkten möchten, auch wenn es um die Marketingstrategie unserer Gesellschaft geht. Trotzdem werden wir den Markt nicht mit einem großen Marketingfüllhorn überfluten, sondern mit Zahlen und Fakten auf uns aufmerksam machen. Heute zählen wir mit einem verwalteten Vermögen von rund 488 Milliarden US-Dollar zu den größten 40 Asset Managern der Welt. Gemessen daran haben wir hierzulande noch viel Potenzial. Das ist einer der Gründe, warum Deutschland neben Italien einer der Fokusmärkte für MFS in Europa ist.

Sie hatten schon erwähnt, die Präsenz vor Ort ausbauen zu wollen. Wie groß ist das Team in Frankfurt denn aktuell?

Hampel: Wir sind zu fünft. Zwei Kollegen kümmern sich um den Wholesale-Vertrieb, zwei weitere um institutionelle Investoren, hinzu kommt eine Assistenz. Außerdem gibt es einen Sales-Kollegen, der uns von London aus unterstützt und auch eigene Kunden in Deutschland betreut. Wir werden das Team deutlich vergrößern. Es ist aber noch zu früh, um Details nennen zu können. MFS ist ein sehr umsichtiges Haus – das gilt nicht nur mit Blick auf das Risikomanagement in den Fonds, sondern auch hinsichtlich der Aussagen in Medien.

Als drittes Ziel hatten Sie erwähnt, MFS als "langfristigen, verlässlichen Partner" ihrer Kunden positionieren zu wollen. Entschuldigung, aber das behauptet ja wohl jeder Vermögensverwalter von sich.

Hampel: Das mag sein. Die Frage ist aber, wie diese Aussagen mit Leben gefüllt werden. Ich habe MFS bereits vor gut 20 Jahren kennengelernt, als ich für ein Family Office gearbeitet habe. Der wirklich langfristige Ansatz in Denken und Handeln hat mich schon damals überzeugt. MFS rennt keiner Mode hinterher: Wir managen Aktien, Renten und Cash – nicht mehr und nicht weniger. Sie werden bei uns keinen Bauchladen mit Themenfonds oder alternativen Investments finden, weil wir uns bewusst auf die unserer Meinung nach relevanten Anlageklassen und -ansätze beschränken. Außerdem schichten unsere Fondsmanager ihre Portfolios nicht bei jeder kleinen Nachricht um: Die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie liegt bei uns bei rund neun Jahren.

Wie sieht es mit ETFs aus? Kann MFS diesem Trend wiederstehen?

Hampel: Ja. Wir sind davon überzeugt, dass aktives Fonds- und Risikomanagement einen Mehrwert liefert, darum bieten wir keine ETFs an. Andere Häuser sind da in letzter Zeit eingeknickt und bieten plötzlich doch passive Investments an. Das werden Sie bei MFS nicht erleben.

Die meisten aktiv verwalteten Fonds hinken ihrem Vergleichsindex hinterher. Da liegt es auf der Hand, gleich ETFs anzubieten.

Hampel: Wir haben oft genug beweisen können, dass aktives Management funktioniert. Nur ein Beispiel: Jüngst hat uns das Analysehaus Scope als besten großen Asset Manager ausgezeichnet. 62 Prozent unserer Fonds tragen ein Top-Rating – auf diese Quote kommt kein anderer Anbieter.

Wie lautet Ihre Erklärung für das gute Abschneiden?

Hampel: Ein wichtiger Punkt ist sicherlich das schon erwähnte Research. Unsere Analysten arbeiten in neun Büros weltweit, verteilt auf acht Sektorteams. Der Aufwand, der dort betrieben wird, ist wirklich enorm. Bei einigen Häusern ist der Analystenjob nur eine notwendige Karrierestufe für Berufseinsteiger, die Portfoliomanager werden wollen. Bei uns ist das anders: Es gibt viele Kollege, die ihr gesamtes Berufsleben mit Haut und Haar Analyst bleiben möchten. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die gute Teamarbeit.

Noch so ein Schlagwort, das bei wohl jedem Asset Manager fällt…

Hampel: … und das bei uns wirklich gelebt wird. MFS hat es geschafft, dass die Kollegen nicht auf ihrem Wissen sitzen bleiben, sondern es mit den anderen teilen. Ein Beispiel: MFS kam sehr gut durch das Lehman-Jahr 2008. Eine Anleiheanalystin hatte rechtzeitig gemerkt, dass bei den damals so beliebten Kreditverbriefungen einiges im Argen lag. Diese Erkenntnis hat sie in der großen Runde vorgetragen, woraufhin alle Portfoliomanager beschlossen haben, sich von Banktiteln fernzuhalten. Dieses Wissen war Gold wert, weil es mit allen anderen geteilt wurde. Das ist kein Einzelfall, sondern hat System. Bei MFS hängt ein guter Teil des jährlichen Bonus davon ab, wie gut sich der einzelne ins Team eingebracht hat, basierend auf einer 360-Grad-Beurteilung. Eine wichtige Rolle spielt für Portfoliomanager außerdem die rollierende Performance über drei, fünf und zehn Jahre. Die kurzfristige Wertentwicklung über ein Jahr ist für den Bonus dagegen völlig egal.

Haben Sie schon konkrete Produkte im Blick, mit denen Sie im Wholesale-Vertrieb punkten möchten?

Hampel: Ein Kandidat ist sicherlich der flexible Mischfonds MFS Meridian Prudent Capital Fund. Das ist quasi der Nachfolger des Prudent Wealth, den wir bei drei Milliarden US-Dollar in den Softclose schicken mussten, um die Anlagestrategie nicht zu gefährden. Der Prudent Wealth schaffte 2018 auf Euro-Basis ein Plus von vier Prozent, während die allermeisten Mitbewerber klar im Minus schlossen. Das vergangene Jahr war ein gutes Beispiel dafür, dass sich unser Fokus auf das Risikomanagement auszahlt. Der Prudent Capital wird vom gleichen Team gesteuert und verfolgt in großen Teilen die identische Strategie. Im November wird er drei Jahre alt. Das ist ein wichtiges Datum für uns, weil der Fonds von vielen Analysehäusern dann erstmals ein Rating erhält und bei vielen potenziellen Investoren auf dem Schirm auftaucht. Nichtsdestotrotz hält der relativ junge Track-Record die Anleger nicht davon ab, heute schon zu investieren: Der Fonds ist bereits 1,2 Milliarden US Dollar groß.

Wenn die Anlagestrategie fast identisch ist: Warum musste das Original in den Softclose, der Nachfolger kann aber noch Mittel einwerben?

Hampel: Der Prudent Wealth hat zu einem gewissen Teil in kleine und mittelgroße Unternehmen investiert. Der Prudent Capital legt nur in Titel mit mindestens einer Milliarde US-Dollar Marktkapitalisierung an. Das ist aber auch der einzige wirklich markante Unterschied. Beide Fonds dürfen bis zu 90 Prozent in Aktien anlegen, beide sind mit bis zu einem Prozent des Volumens in Put-Optionen investiert, die das Portfolio gegen große Rückschläge absichern. Und beide fahren schon seit geraumer Zeit eine strategische Kassequote von 40 Prozent, um jederzeit schnell in den Markt einsteigen zu können, sobald sich eine gute Kaufgelegenheit ergibt.

Besonders gefragt sind aktuell nachhaltige Investments. Was hat Ihr Haus dort zu bieten?

Hampel: Wir verstehen uns als Vorreiter des verantwortungsvollen Investierens. Das ist Teil unserer DNA – in dem Sinne, dass wir uns unseren Kunden gegenüber verpflichtet fühlen, was natürlich auch bei unserer Titelauswahl eine entscheidende Rolle spielt. Wir würden die Ersparnisse unserer Anleger nie für die Aussicht auf kurzfristige Gewinne riskieren und achten deshalb darauf, dass die Unternehmen in unseren Portfolios nachhaltig wirtschaften. Das heißt aber auch, dass wir kein ESG-Zeichen auf bestimmte Fonds draufkleben. Vielmehr ist es so, dass wir ESG-Kriterien schon seit Jahren in allen Investmentprozessen integriert haben.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)