Die Nachfrage nach börsengehandelten Produkten mit Fokus auf europäische Aktien war 2025 so stark, dass sie Zuflüsse in Höhe eines "Jahrzehnts in einem Jahr" verzeichneten. Das sagte Ursula Marchioni von Blackrock.

Diese Fonds sammelten im vergangenen Jahr 92 Milliarden US-Dollar ein – nahezu so viel wie die kumulierten Zuflüsse von 94 Milliarden Dollar im Zeitraum von 2014 bis 2024, erklärte Marchioni, Leiterin Investment- und Portfolio-Lösungen für die Region EMEA beim weltweit größten Vermögensverwalter, in einem Interview mit "Bloomberg Television".

Suche nach Alternativen zum US-Markt
Die Kapitalströme unterstreichen das wachsende Interesse an europäischen Aktien, da Investoren nach Anlagemöglichkeiten außerhalb der USA suchen. Dort wurde ein Großteil der Rekordrally zuletzt von einer vergleichsweise kleinen Gruppe von Aktien getragen, die vom Boom der künstlichen Intelligenz (KI) profitiert haben.

"Wir haben im vergangenen Jahr den großen Repatriierungs-Trade gesehen", sagte Marchioni. "Es gibt diesen Wunsch, zu diversifizieren und gleichzeitig am KI-Thema und an den USA beteiligt zu bleiben – aber mit einer Art Absicherung."

Optimismus für Europas Wirtschaft und Gewinne
Zusätzlichen Rückenwind erhält Europa durch einen optimistischeren Ausblick für die Konjunktur, nicht zuletzt infolge höherer staatlicher Ausgaben, angeführt von Deutschland. Analysten erwarten zudem, dass die Gewinne der im Stoxx 600 gelisteten Unternehmen in diesem Jahr um rund zehn Prozent steigen werden, nachdem sie 2025 stagniert hatten, wie aus von "Bloomberg Intelligence" zusammengestellten Daten hervorgeht.

"Wir sind von sehr starken Gewinnzahlen überzeugt", sagte Marchioni. "Ich sehe durchaus, dass Investoren daran partizipieren wollen, gleichzeitig aber weitere Diversifikationselemente berücksichtigen – sei es rund um KI oder jenseits davon, etwa mit Blick auf europäische Rüstungswerte oder den US-Gesundheitssektor."

Bewertungen sprechen für Europa
Europäische Aktien sind seit Beginn des vergangenen Jahres in Dollar gerechnet um 37 Prozent gestiegen – doppelt so stark wie der S&P 500 im gleichen Zeitraum. Die Kursgewinne in Europa haben sich zuletzt auf mehrere Sektoren ausgeweitet, wobei Banken, Bergbauwerte und Rüstungsunternehmen besonders stark abschnitten.

Zusätzlich ziehen europäische Aktien Investoren aufgrund geringerer Bewertungen an: Der Stoxx 600 wird derzeit mit einem Abschlag von rund 30 Prozent gegenüber US-Aktien gehandelt. (mb/Bloomberg)