Die Masche ähnelt der Vorgehensweise des ehemaligen "Wolf of Wall Street"- Börsenmakler Jordan Belfort: Wer von einem Broker namens Gentry Wilson Partners am Telefon exklusive Aktiendeals angeboten bekommt, sollte nach einem Bericht im "Handelsblatt" hellhörig werden, oder noch besser: Sofort auflegen! Dabei handelt es sich nämlich um mutmaßliche Betrüger, die Anleger mit sogenannten Boiler-Room-Scams um ihre Ersparnisse bringen.

Die Anrufer geben dabei vor, direkt aus dem Handelsraum von Brokerfirmen lukrative Investitionsmöglichkeiten anzubieten, beispielsweise Aktien eines aufstrebenden chinesischen Batteriezellenherstellers. Im Unterscheid zur Belfort-Methode wird das Geld der so Umworbenen allerdings niemals angelegt, stattdessen fälscht der vermeintliche Broker Depotauszüge und Quittungen, um die Geldgeber in vermeintlicher Sicherheit zu wiegen. Von über 110 Briefkastenfirmen innerhalb des Betrugsnetzwerks gehen Beobachter zurzeit aus, Drehkreuz der Betrugsmasche scheint Hongkong zu sein. Europäische Anleger sollen mit dieser Masche bereits um Millionen Euro gebracht worden sein. Wie das "Handelsblatt" berichtet, laufen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Ermittlungen gegen entsprechende Brokerfirmen.

Auch große Bankhäuser stehen im Fokus der Strafverfolger. Wie die European Funds Recovery Initiative (EFRI) aus Wien recherchiert hat, nutzten die Betrüger bevorzugt Konten der britischen Großbank HSBC in Hongkong für ihre Tarn-Transaktionen. Der Vorwurf der EFRI: Die Bank habe nicht so genau hingeschaut und so dabei geholfen, Zahlungen der geprellten Anleger an die Schein-Broker abzuwickeln. Laut EFRI gibt es aktuell 145 Anleger mit einem Gesamtschaden von knapp 14 Millionen Euro. Die HSBC weist die Anschuldigungen zurück und verweist auf verstärkte Investitionen in Personal und Technologie zur Identifikation von Finanzkriminalität. (fp)