Einige Investmentgesellschaften gehen dazu über, sogenannte SRRI-gesteuerte Fonds aufzulegen. Ziel solcher Strategien ist es, ein Portfolio möglichst in jeder Marktsituation in der Risikostufe zu halten, die in den "Wesentlichen Anlegerinformationen" (Key Information Document, KID) angegeben ist.

Die Risikostufe jedes Portfolios wird anhand des Synthetischen Risiko- und Ertragsindikator (englisch: Synthetic Risk and Reward Indicator, kurz: SRRI) ermittelt. Die Kennzahl ordnet Fonds je nach Schwankungsbreite sieben Risikoklassen zu. Fällt ein Fonds in einem Zeitraum von vier Monaten überwiegend in eine andere Stufe, muss die Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) das KID ändern.

Bislang brauchten Berater ihre Kunden über solche Änderungen nicht zu informieren. Jedenfalls nicht, wenn sie keine Betreuungsverträge abgeschlossen hatten, was bisher eher unüblich war. Unter Mifid II wird sich das vermutlich ändern. Der Grund: Ohne entsprechenden Vertrag dürfte es schwierig werden, ein Honorar oder den Einbehalt von Provisionen zu rechtfertigen. Ist eine solche Betreuung vereinbart, muss der Vermittler seine Kunden aber davon in Kenntnis setzen, wenn ein Fonds die Risikoklasse wechselt.

Da kommen SRRI-gesteuerte Portfolios gelegen. Fidelity hat Mitte 2016 zwei Multi Asset-Portfolios mit eingebauter Volatilitätssteuerung nach dem SRRI auf den Markt gebracht. Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld erklärt im Interview mit FONDS professionell ONLINE, wie sie funktionieren.


Herr Roemheld, der Fidelity Smart Global Defensive ist der SRRI-Klasse drei zugeordnet, der Fidelity Smart Global Moderate der Stufe vier. Das "Smart" in den Fondsnamen steht als Abkürzung für "Systematic Multi Asset Risk Targeted" und weist bereits auf die Risikokontrolle hin. Wie ist Ihr Haus auf die Idee gekommen, SRRI-gesteuerte Multi-Asset-Produkte aufzulegen?

Carsten Roemheld: Wir wollten eine Lösung für Anleger entwickeln, die sich Stabilität im Portfolio wünschen und gleichzeitig die Sparer abholen, die ihr Geld noch immer auf Giro- oder Festgeldkonten parken. Der Multi-Asset-Trend ist zwar ungebrochen, dennoch denke ich, dass gerade Anleger, die auf defensivere Lösungen setzen, sich langsam Gedanken über neue Multi-Asset-Konzepte für die Zukunft machen sollten. Falls es an den Märkten früher oder später ungemütlich werden sollte, ist es gut, ein Produkt zu haben, das Schwankungen in bestimmten Bandbreiten hält.

Derzeit sieht es aber nicht danach aus, dass es an den Märkten ungemütlich wird. Die Volatilität ist schon über längere Zeit sehr niedrig.

Roemheld: Ich denke, dass nach der langen Phase von niedriger Volatilität zukünftig wieder höhere Schwankungen an den Märkten möglich sind. Ein Grund dafür könnten Zinserhöhungen der Zentralbanken sein. Die Fed hat den Leitzins bereits gehoben, die EZB führt langsam ihr Anleihekaufprogramm zurück und wird mittelfristig auch wieder an der Zinsschraube drehen. Hinzu kommen die Unruhen um den US-Präsidenten Donald Trump oder schwelende Konflikte wie in Nordkorea. Außerdem gibt es immer wieder Ereignisse, die man gar nicht absehen kann.


Einen ausführlichen Artikel über SRRI-Fonds und darüber, welche Gesellschaften solche Produkte anbieten, lesen Sie im neuen Heft 4/2017 von FONDS professionell, das Ende November erschienen ist.


Wie funktioniert denn die Volatilitätssteuerung in den beiden Smart-Portfolios?

Roemheld: Die Produkte bestehen aus zwei großen Blöcken, der erste Block ist eine klassische taktische Asset Allocation. Im zweiten Block versuchen wir, mit marktneutralen Strategien zusätzliche Erträge, also Alpha, zu generieren. Im Asset-Allocation-Block finden sich drei Segmente. In jedem Segment ist eine eigene Volatilitätssteuerung vorgesehen. Diese wird dadurch erreicht, dass jeweils die schwankungsanfälligsten Assets am geringsten, die stabilen Papiere am höchsten gewichtet sind. Kommt es zu so starken Marktbewegungen, dass die eingebaute Volatilitätskontrolle nicht mehr ausreicht, werden alle Wachstumswerte auf null gefahren, die Titel in der stabilen und der mittleren Anlageklasse hingegen höher gewichtet.

Geschieht dies automatisch?

Roemheld: Die Smart-Fonds beruhen primär auf einem quantitativen Modell, das heißt, die Anlageentscheidungen der taktischen Asset Allocation werden von unserem System getroffen. In Zeiten extremer Schwankungen kann der Fondsmanager die Cash-Quote sofort von null auf 30 Prozent erhöhen, damit die Fonds ihre jeweiligen Risikoklassen einhalten. Dieser 'Cash-Break' darf aber nur in Ausnahmesituationen als Notfallstrategie angewendet werden.

Den Investmentansatz der Smart-Fonds hat Fidelity gemeinsam mit dem Versicherungskonzern Axa entwickelt. Sind die Portfolios grundsätzlich auch für Fondspolicen geeignet?

Roemheld: Ja, das Bedürfnis nach einem Produkt, das die Volatilität begrenzt, kam ursprünglich aus der Versicherungsbranche. Wir haben unter den Versicherern schon verschiedene Partner gefunden, die die Smart-Fonds in ihren Policen einsetzen. Sie sind auch für den Bereich der betrieblichen Altersvorsorge interessant, wo durch das Garantieverbot im Sozialpartnermodell ja gerade vieles im Umbruch ist.

Vielen Dank für das Gespräch.(am)