Beim Geldanlegen Gutes tun (oder Schlechtes lassen), und so auch noch überdurchschnittliche Renditen einstreichen? Dass sich dieser Wunsch verwirklichen lässt, haben immer wieder Daten aus der Investmentbranche und Wertentwicklungsstatistiken zu mehr oder weniger passgenauen "ESG"-Fonds sowie -ETFs gezeigt. Also alles in Butter? Mitnichten, meint Peter Seppelfricke.

Volkswirtschaftstheoretisch sollte der Zusatznutzen für verantwortungsvolles Investieren eigentlich in einer niedrigeren Rendite münden. Dass dem bislang nicht so ist und "grüne" Investmentprodukte gegenüber herkömmlichen Portfolios aus Performancesicht die Nase sogar vorn haben, stimmt den Dozenten für Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück nachdenklich.

Denkbar ist, dass Geldgeber in Form eines Preisaufschlags honorieren, wenn Firmen Ernst machen mit dem Umwelt- und Klimaschutz und so mit knappen Bodenschätzen sorgsamer, also effizienter, umgehen. "Es könnte darauf hindeuten, dass ressourcenschonendes Wirtschaften Unternehmen zukunftsfähiger macht. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass die überlegene Performance von ESG-Fonds maßgeblich Flow-getrieben ist", stellt der Gründer des Analysehauses Value Investor Research in seinem Beitrag auf "Capital.de" fest.

Die Hausse gebiert den Hype
Seppelfricks These: Die hohen Mittelzuflüsse in ESG-konforme Fonds hätten zu einem sich selbst verstärkenden Nachfrageplus bei den in ihnen enthaltenen Aktien geführt und deren Kurse drastisch ansteigen lassen. "Der Effekt ist vergleichbar mit der besseren Performance von Aktien anlässlich einer Indexaufnahme. Die Indexaufnahme erzeugt ebenfalls einen Kaufdruck auf die neuen Indexmitglieder." Dass die ESG-Blase platzen wird, weil der Wertzuwachs der Fonds vor allem von überwiegend unerfahrenen und deshalb unkritischen Investoren befeuert wird, ist seiner Einschätzung nach nur eine Frage der Zeit.

Den dahinterstehenden Effekt nennt Seppelfricke "Perpetuum Mobile der Geldanlage": Je mehr investiert wird, desto höher die Kurse, was wiederum neue Anleger ködert. "Ein Versiegen der Mittelzuflüsse würde die Bewertungen rasch auf ein angemessenes Niveau zurückwerfen", schreibt der Ökonom. Er glaubt, dass das schneller gehen könnte, als es insbesondere vielen Neu-Anlegern lieb ist: "Es wäre nicht das erste Mal, dass überhöhte Bewertungen, Intransparenz und schwindendes Vertrauen in einem Crash münden." (fp/ps)