In der Finanzbranche wächst die Kritik am Weltspartag. Schließlich bringen Spareinlagen inzwischen unter Berücksichtigung der Inflation nur noch Verluste. "Der Weltspartag ist in dieser Form ein Überbleibsel aus alten Zeiten mit satten Zinsen auf Bankeinlagen", sagt Gerald Klein, Gründer und CEO des Fintechs Growney. "Weitaus zeitgemäßer wäre ein Weltanlegertag, der das Bewusstsein für das Thema Wertpapieranlage schärft und hilft, Vorbehalte abzubauen."

Eine Erhebung des Deutschen Aktieninstituts legt nahe, dass Aufklärung nottut. So investieren in Frankreich gerade einmal 15 Prozent der Bevölkerung in Aktien. In Großbritannien sind es 23 Prozent, in den Niederlanden rund 30 Prozent. In Deutschland liegt der Anteil der Aktionäre bei kagren sechs Prozent. Die Deutschen greifen trotz dauerhafter Zinsmisere unbeirrt weiter zum Sparbuch: Sie halten fast 40 Prozent ihres Geldvermögens in Bargeld oder in minimal verzinsten Sichteinlagen.

Schiefe Risikoeinschätzung
Für Investoren mit langfristigem Anlagehorizont bietet der Kapitalmarkt attraktive Renditechancen, sagt Growney-Gründer Klein. Das ist allerdings vielen Sparern nicht klar. "Wertpapiere bedeuten für viele Menschen immer noch ein Spekulationsgeschäft", sagt Klein. Die Angst vor Börsenverlusten ist übermächtig, viele Anleger halten stattdessen am Sparbuch fest – obwohl sie damit auf jeden Fall Geld verlieren. Häufig liegt die Angst vor Aktien in mangelnden Börsenkenntnissen begründet, glaubt der Fintech-Experte. Ein Weltanlegertag könnte helfen. (fp)