Die Auswirkungen auf die Treibstoffpreise an der Tankstelle wurden unmittelbar wahrgenommen und lösten international Schlagzeilen und in Folge politische Maßnahmen – von Steuersenkungen bei Benzin bis zur Idee niedrigere Tempolimits einzuführen –  aus. Dass der bis auf Weiteres gestörte Transport durch die Straße von Hormus auch in der Landwirtschaft weltweit für Probleme sorgen wird, wurde vorerst weniger stark beachtet, denn dass mit dem Kriegsausbruch auch die Düngemittelpreise massiv angestiegen sind beziehungsweise ein Mangel bei Düngemittelgrundstoffen entstehen könnte, wird sich erst mittelfristig auswirken. Die Golfregion stellt etwa 30 bis 40 Prozent der weltweiten Exporte von Stickstoffdünger (Harnstoff/Urea) und Ammoniak.

Durch die Blockade und Schäden an der Infrastruktur in Katar und im Iran sind diese Mengen "gefangen" oder fallen komplett aus. Die Preise für Harnstoff haben sich innerhalb weniger Wochen fast verdoppelt. Stickstoff spielt in der Landwirtschaft jedoch eine Schlüsselrolle. Er ist unverzichtbar und kann – anders als bei Kali oder Phosphat – in keiner Saison ausgelassen werden. Erschwerend kommt aktuell hinzu, dass die Störung in die Pflanzsaison der Nordhalbkugel fällt, die von Mitte Februar bis Anfang Mai dauert. Laut US-Landwirtschaftsministerium haben rund 25 Prozent der amerikanischen Farmer den für die Frühjahrssaat 2026 benötigten Dünger noch nicht gekauft. Laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation gibt es – anders als bei Öl – keine strategischen internationalen Düngemittelreserven, um den Ausfall abzufangen.

Agrar-Aktien profitieren
Dass mögliche Verknappungen zu Preissteigerungen führen könnten, bewirkte im Agrar-Sektor unmittelbare Kursanstiege bei zwei Gruppen von Unternehmen. Düngemittelproduzenten profitieren am stärksten, weil steigende Düngemittelpreise direkt ihre Margen und Umsätze erhöhen – besonders westliche Produzenten, deren eigene Lieferketten nicht betroffen sind. Auch Agrar-Handelsunternehmen profitierten, weil höhere Rohstoffpreise zu mehr Handelsvolumen und höheren Margen führen.

Für Fonds, die auf dieses Segment spezialisiert sind, bewirkten diese Effekte ein Monatsergebnis von 2,9 Prozent Plus, womit der Sektor als einziger von 50 Kategorien ein positives Monatsergebnis erzielen konnte. Neun der Top-Ten-Kategorien – von Energie über Biotech bis Lateinamerika – verloren auf Monatssicht zwischen 0,09 und 5,59 Prozent. Im Durchschnitt über alle von Mountain-View erfassten Aktienfonds lag das Monats-Minus bei 7,82 Prozent.

Crash bei Gold-Fonds
Größter Verlierer war im März mit Abstand der Edelmetallsektor. Fast 22 Prozent sank der Wert der 32 Fonds dieser Gruppe im Durchschnitt, was bei vielen Kommentatoren Überraschung auslöste. Die Annahme, dass Gold und damit Edelmetall-Fonds von einer Krise wie dem Iran-Krieg eigentlich profitieren sollten, liegt nahe, übersieht jedoch die hinter diesem Sektor liegenden Anstiege. Im Ein-Jahres-Rückblick liegen die Fonds trotz der scharfen Korrektur im März immer noch fast 100 Prozent im Plus. Berichte über beträchtliche Goldverkäufe der türkischen Notenbank dienten zuletzt als spezielle Erklärung für den starken Einbruch. Die Mehrzahl der Kommentare und Analysen geht bisher nicht davon aus, dass sich am generellen Aufwärtstrend bei Edelmetallen langfristig etwas ändern wird. Die Faktoren, die für die Preisanstiege bei Gold, Silber, Platin und Palladium verantwortlich sind, sind weiterhin gegeben.

Prognosen zur Krisendauer
Prognosen über den weiteren Verlauf des Börsenjahres sind wenig sinnvoll, weil alles davon abhängen wird, ob und wie der Konflikt in Nahost gelöst wird. Statistiker weisen darauf hin, dass derartige Kriegsausbrüche historisch meist zu einem kurzfristigen Einbruch führten, auf den oft erstaunlich schnell eine Stabilisierung erfolgte. Im Durchschnitt fiel der S&P 500 bei militärischen Interventionen um etwa 6,0 Prozent. In 19 von 20 Fällen erreichten die Indizes bereits nach durchschnittlich 28 Tagen wieder ihr Vorkriegsniveau. (gf)


Über das FONDS professionell Fondsbarometer
FONDS professionell bringt seit Juli 2014 monatlich das FONDS professionell Fondsbarometer – eine Performanceübersicht der Mountain-View-Aktienfondsindizes gereiht nach ihrer Monatsperformance. Daraus wird ersichtlich, welche Fonds gerade "Rückenwind" haben und welche unter Kursverlusten leiden. Damit daraus eine brauchbare Information wird, zeigt die Darstellung auch, wie diese Fondskategorien (Länder, Regionen, Branchen und Themen) über andere Zeiträume abgeschnitten haben – drei Monate, sechs Monate, ein Jahr, drei Jahre sowie über fünf und zehn Jahre. Die jeweils zehn stärksten und zehn schwächsten Ergebnisse sind farblich hervorgehoben.
Das nächste Fondsbarometer erscheint Anfang Mai 2026.