Aktien- und Mischfonds sind bei Anlegern in Europa offenbar besonders gefragt. Das zeigt eine Analyse der Fondsratingagentur Morningstar, die sich die Neuemissionen von Publikumsfonds in Europa im ersten Halbjahr 2018 angeschaut hat. Demnach kamen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 1.106 Fonds neu auf den europäischen Markt, darunter 359 Mischfonds. In den Produkten steckten per Ende Juni 28,6 Milliarden Euro. "Das ist ein Spiegelbild der hohen Nachfrage von Investoren in Europa seit der Finanzkrise. Man vertraut immer mehr auf die Asset-Allocation-Fähigkeiten des Fondsmanagers seines Vertrauens", erklärt Ali Masarwah, Analyst bei Morningstar. 

Fondsanbieter brachten ähnlich viele Aktienfonds auf den Markt, nämlich 340 an der Zahl. Sie kommen auf ein verwaltetes Gesamtvermögen von 29,5 Milliarden Euro. 241 neue Anleihefonds haben 28,7 Milliarden Euro Kapital angezogen. Laut Morningstar-Analyse ähnelt der Trend bei den Neuemissionen dem des Vorjahres: Im ersten Halbjahr 2017 kamen 355 Aktienfonds und 267 Rentenfonds neu auf den Markt. Allerdings zogen sie deutlich mehr Kapital an als die Neuheiten 2018. 

Mischfonds sind am teuersten
So beliebt Mischfonds sind, so teuer sind sie auch. Die neuemittierten Fonds in Europa kommen auf durchschnittliche jährliche Kosten von 1,08 Prozent im Jahr, Mischfonds liegen mit Gebühren von im Schnitt 1,42 Prozent deutlich darüber. Mit reinen Aktien- und Rentenfonds kommen Anleger billiger weg: Die laufenden Kosten liegen bei Aktienfonds dagegen bei 0,99 Prozent, bei neuen Rentenfonds werden im Schnitt 0,62 Prozent an jährlichen Gebühren fällig. "Ein Vergleich zum Vorjahrestrend zeigt, dass die neuen Fonds im Schnitt günstiger geworden sind", sagt Masarwah.

Die Bedeutung alternativer Fonds hat im ersten Halbjahr 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgelassen, zeigt die Morningstar-Analyse. Während in den ersten sechs Monaten 2017 noch 118 alternative Portfolios das Licht der Welt erblickten, waren es im laufenden Jahr nur 94. Sie zogen bislang nur 6,7 Milliarden Euro an – deutlich weniger als im Vorjahr, als die neuen alternativen Fonds 12,2 Milliarden Euro auf sich vereinten.

Zahl der ESG-Fonds ist gestiegen
Nachhaltigkeit scheint bei Investoren dagegen eine immer größere Rolle zu spielen. Im ersten Halbjahr kamen 83 neue Produkte mit ESG-Mandat auf den Markt, im Jahr 2017 waren es noch 66. Die neuen Nachhaltigkeitsprodukte wiesen per Ende Juni ein Vermögen von knapp 3,7 Milliarden auf. Die meisten ESG-Fonds sind reine Aktienfonds. Auf Platz zwei folgen Mischfonds, die nach ESG-Kriterien anlegen. Entgegen der Vermutung vieler Beobachter sind die ESG-Produkte günstiger als viele andere herkömmliche Fonds: Für neue ESG-Mischfonds fallen Gebühren von durchschnittlich 1,23 Prozent an.

Die meisten Neu-Fonds mit ESG-Profil erfüllten ihren Auftrag, sagt Masarwah: "Die neuen ESG-Fonds kommen auf überdurchschnittliche Werte mit Blick auf die Portfolio- Environmental-, Portfolio-Social- und Portfolio-Governance-Scores." Das habe den Produkten ein durchschnittliches Morningstar Sustainability Rating von 3,7 Globen beschert. "Viele der neuen Fonds sind jedoch noch im Aufbau und haben noch kein Rating", sagt Masarwah. 

Beim Indexfondsgeschäft zahlt Masse statt Klasse
Passive Neuemissionen liegen trotz des ETF-Booms in etwa auf Vorjahresniveau. Indexfonds machen 8,5 Prozent der Neuauflagen aus. Laut Morningstar liegt das im Rahmen des Marktüblichen, denn der zahlenmäßige Anteil von Indexfonds am europäischen Fondsmarkt beläuft sich auf rund zehn Prozent. Auch im Vorjahreszeitraum lag die Indexfonds-Quote in etwa auf demselben Niveau. Allerdings ziehen Indexfonds wesentlich mehr Kapital an als im Vorjahr: Das verwaltete Vermögen der neuen Indexfonds belief sich im ersten Halbjahr auf satte 25 Prozent des gesamten Neuemissionsvolumens. 

"Die Marktübersicht zeigt: Beim Indexfondsgeschäft geht es um Masse", sagt Analyst Masarwah. Es deute sich bereits kurz nach der Auflage der Fonds an, dass aktiv verwaltete Fonds es oft schwer hätten, auf ein nennenswertes Vermögen zu kommen. "Im Schnitt hatten neue, aktiv verwaltete Fonds zum Halbjahr ein durchschnittliches Vermögen von gut 73 Millionen Euro, der durchschnittliche Indexfonds bringt es auf knapp 280 Millionen Euro." Das könne dazu führen, dass viele Fonds nach einer Weile wieder vom Markt verschwinden. "Auch das ist ein Grund für die Schnelllebigkeit der Branche", so Masarwah. (fp)