"Deutschland ist eben eine verspätete Nation", urteilt Christoph Bruns in seiner aktuellen Kolumne auf Capital.de. Dass sich die möglichen Ampel-Koalitionäre aus SPD, Grüne und FDP dem Vernehmen nach in ihren Gesprächen dem Thema Aktienrente nähern, begrüßt der Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys. "Für die Bundesrepublik ist das eine bahnbrechende Entwicklung, denn mit der Aktienanlage fremdeln Politik und Bevölkerung schon seit Gründung der Republik", schreibt Bruns. Während die kapitalgedeckte Altersvorsorge in anderen Ländern seit Langem fest installiert ist, geht Deutschland mit seiner chronischen Kapitalmarkt-Skepsis einen Sonderweg.

Die Einführung der Riester- und Rürup-Rente während der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder wertet der Finanzexperte zwar als ernsthafte Versuche, einen Einstieg in die kapitalgedeckte private Altersvorsorge zu finden. Sie seien aber wegen handwerklicher Fehler gescheitert. Das hat aus seiner Sicht zu großen Versäumnissen geführt: Die Rentenbeiträge reichen aufgrund der demografischen Entwicklung schon lange nicht mehr zur Deckung der Rentenzahlungen aus, das Umlagesystem werten viele Experten als gescheitert.  

Versagen der Politik
"Es gehört zu den größten Versagensleistungen deutscher Politik, dieses schwerwiegende Problem nicht angemessen aufgegriffen zu haben", beklagt Bruns. Auch während der Amtszeit von Angela Merkel sei diesbezüglich nichts Erkennbares geleistet worden. Die konkreten Pläne der künftigen Koalitionäre erwartet Bruns nun mit Spannung, um ein Urteil zu fällen, komme es auf Details an. (fp)