Die Wahrscheinlichkeit, dass die geplante Fusion der beiden zum Sparkassenverbund gehörenden Versicherungen Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland aufgrund der Rechtsform des neu zu bildenden Versicherungskonzerns scheitert (FONDS professionell ONLINE berichtete), ist weiter gestiegen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der mit 40 Prozent Großaktionär der als Aktiengesellschaft firmierenden Provinzial Nordwest ist, hat am Freitag nach Medienberichten offiziell gefordert, dass auch der fusionierte Versicherer als Aktiengesellschaft organisiert wird. Der LWL fürchtet bei einer Umwandlung in eine Anstalt öffentlichen Rechtes, wie der potenzielle Partner Provinzial Rheinland, finanzielle Nachteile.

Die schon seit Ende 2012 laufenden Bemühungen der NRW-Sparkassen, die beiden Versicherer zu vereinen, resultieren aus einem im Herbst 2012 geäußerten Interesse des Branchenprimus Allianz an der Provinzial Nordwest. Durch die Fusion der beiden Versicherungen soll ein Vordringen der Allianz in den öffentlichen Versicherungssektor verhindert werden.

Steuernachzahlungen für LWL
"Der LWL hält an der bewährten Rechtsform der AG für die Holding eines potenziell zusammenzuführenden Unternehmens fest", beschlossen die Abgeordneten im LWL-Landschaftsausschuss laut Medienmeldungen. "Nach gegenwärtigem Stand stehen die unterschiedlichen Rechtsformen einer Vollfusion auf der Ebene der Management-Holding entgegen." Eine Kooperation der Versicherer sei damit aber nicht vom Tisch – denn eine Zusammenarbeit der beiden Versicherer hält der LWL ausdrücklich für sinnvoll. Synergien "unterhalb der Vollfusion" könnten erzielt werden, teilte der LWL mit.

Der Hintergrund für diese Haltung des LWL ist, dass dieser im Falle einer Umwandlung der Provinzial Nordwest Steuergelder in einem hohen zweistelligen Millionenbetrag zurückzahlen müsste, weil er seine Beteiligung, die er vor Jahren aus Steuergründen in eine Vermögensverwaltungsgesellschaft überführt hat, rückübertragen müsste.

Provinzial Rheinland mahnt zur Eile
Die Provinzial Rheinland drängte am Freitag zur Eile. Die Fusionsverhandlungen sollten fortgesetzt werden, so lange es eine Chance zur Einigung gebe. Die Eigentümer der Provinzial Rheinland legten "Wert auf eine zeitnahe Fortsetzung der Gespräche", hieß es in einer Mitteilung. Doch dazu müssten sich die Provinzial Nordwest und deren Eigentümer erst einmal einig werden. Auch Sparkassenverbände sind an den beiden Versicherern beteiligt.

Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hatte immer wieder betont, er gehe ohne Vorbedingungen in die weiteren Verhandlungen über eine Fusion - auch in der Frage der künftigen Rechtsform. Bei den Sparkassenverbänden im Rheinland war dagegen immer wieder deutlich gemacht worden, dass eine Abkehr von der Anstalt öffentlichen Rechts mit Problemen verbunden sei. (jb)