Der Ärger rund um ein offizielles, objektives Kontovergleichsportal reißt nicht ab. Zwar stellt seit Anfang April die Stiftung Warentest Verbrauchern ihren Girokontenvergleich gratis zur Verfügung. Dabei sollte es sich aber nur um eine Interimslösung handeln, bis die Finanzaufsicht Bafin übernimmt. Allein: Das dürfte nun doch nicht geschehen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, lehnt die Union den Vorschlag des SPD-geführten Finanzministeriums ab, die Bafin mit dem Aufbau des von der Europäischen Union geforderten Vergleichsportals zu betrauen.

"Wir halten es für falsch, dass die Bafin diese Aufgabe auch noch übernehmen soll – erst recht in der derzeitigen Situation", zitiert die Wirtschaftszeitung den CDU-Finanzpolitiker Matthias Hauer. Dieser spielt darauf an, dass die Aufsicht derzeit damit beschäftigt ist, ihre unrühmliche Rolle in der Causa Wirecard aufzuarbeiten, die zum Rücktritt des bisherigen Bafin-Präsidenten Felix Hufeld führte. Die Behörde müsse sich personell, organisatorisch und inhaltlich neu aufstellen und einen "Kulturwandel" vorantreiben, so Hauer.

Opposition will keinen Privatanbieter
Die Stiftung Warentest unterhält ihr neues Vergleichsportal nur bis Ende 2022, danach sollte es eigentlich von der Bafin übernommen werden. Laut "Handelsblatt" hat die gemeinnützige Stiftung kein Interesse daran, diese Aufgabe dauerhaft zu stemmen. Die Union schlägt nun vor, den Betrieb der Website nach der Bundestagswahl im September breit auszuschreiben. Die Grünen sind von diesem Vorschlag nicht begeistert: Sie fordern einen öffentlich-rechtlichen Anbieter für den Kontovergleich. Unterstützung bekommen sie von Verbraucherschützern. "Dass diese Alternative von der CDU nicht mitgetragen wird, ist völlig unverständlich und mehr als ärgerlich", kritisiert Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Schon der erste Anlauf, die EU-Vorgabe eines unabhängigen, zertifizierten Girokonten-Vergleichsportals zu erfüllen, ging spektakulär daneben: Erst startete das entsprechende Angebot von Check24 mit zwei Jahren Verspätung, dann stand es nach wenigen Wochen bereits wieder vor dem Aus. Verbraucherschützer hatten geklagt, weil das Portal ihrer Ansicht nach den Markt nicht breit genug abdeckte. Aus Angst vor einem langen Rechtsstreit zog sich Check24 daraufhin zurück. Das Ironische: Laut "Handelsblatt" deckt auch die Stiftung Warentest keineswegs den Gesamtmarkt ab. Ihr Kontovergleich zeige sogar deutlich weniger Angebote als der eingestampfte Vergleich von Check24. (fp)