In der US-Fernsehserie "Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann" aus den 1970ern bekommt der Astronaut Steve Austin nach einem Unfall mehrere bionische Körperteile verpasst. Wird kein High-Tech-Gerät verbaut, ist ein durchschnittlicher Körper deutlich weniger wert – jedenfalls, wenn man sich an den Gliedertaxen von Assekuranzen orientiert. Demnach liegt die Versicherungssumme für sämtliche Teile des Körpers bei rund zwei Millionen Euro, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

213.000 Euro bekommt man (oder frau) im Schadenfall durchschnittlich für die Beine, ebenso viel für die Arme. 96.000 Euro fließen im Schnitt für ein defektes oder abgerissenes Ohr. Für den Verlust des Geschmackssinns, wegen Corona hochaktuell, gibt es im Schadenfall dagegen nur 18.000 Euro vom Versicherer.

Invaliditätsgrad in Abhängigkeit vom Verlust bestimmter Körperteile oder -funktionen

Quelle: Unfallversicherung.mobi

Bei Gliedertaxen für Stars operieren Anbieter indes mit ganz anderen Größen. Laut Daten des Versicherungsmaklers Knip für das Boulevard-Blatt "Gala" sind zum Beispiel die Beine der US-Sängerin Mariah Carey ganze 750 Millionen Euro wert, der markante Mund der Schauspielerin Julia Roberts 21 Millionen und der Po ihrer Schauspiel- und Sangeskollegin Jennifer Lopez (genannt "J.Lo") satte 20 Millionen – nur halb so viel wie das Hinterteil der Popkünstlerin Janet Jackson. Ob die Zahlen stimmen, ist allerdings nicht klar. "Kein einziger Mensch ist zu solchen Summen versichert, wie hier behauptet wird", sagt etwa Charles Boyd von ARK Underwriting in der FAZ.

Der Körper als Mittel zum Geldverdienen
"Cristiano Ronaldo könnte in seinen besten Zeiten auf 140 Millionen Dollar gekommen sein, aber für seinen ganzen Körper, nicht – wie behauptet – nur für seine Beine", sagt Versicherungsexperte Boyd. Schließlich benötigt ein Fußballer zum erfolgreichen Kicken ein bisschen mehr als nur die unteren Extremitäten: "Er muss ja laufen und sehen und seine Arme heben können." Beim Nennen extrem hoher Versicherungssummen gehe es häufig nur darum, sich interessant zu machen. "Jeder, der behauptet, sein Körper sei mehr als 200 Millionen Dollar wert, lügt", sagt Boyd.

Entscheidender Faktor für die Versicherungssumme ist die Frage, wie viel Einkommen man mit dem zu versichernden Körperteil künftig erzielen dürfte. Gliedern wird also kein Wert an sich beigemessen, sie stehen vielmehr stellvertretend für die Möglichkeit, mit ihnen Geld zu verdienen. "In jüngeren Jahren besteht eher die Neigung, sich höher zu versichern, weil man noch ein Vermögen aufbaut", erklärt Dieter Prestin in der FAZ. Der ehemalige Spieler des 1. FC Köln vermittelt seit mehr als drei Jahrzehnten Versicherungen an Profisportler. "Ab 25, 26 Jahren fängt man an, den Deckungsumfang wieder zu reduzieren", sagt er. 

Als versicherbar gilt Marktkennern zufolge alles, was nicht gegen Gesetz und gute Sitten verstößt. Der Po von J. Lo ist offensichtlich kein Problem, ebensowenig wie die Stimme von Bruce Springsteen. (fp)