Überraschende Anrufe bekommen die Anleger des Schiffsfonds MS "Pacific Voyager", der vom früheren Emissionshaus HCI Capital (heute Ernst Russ AG) aufgelegt wurde. Die Reedeei M. Lauterjung fordert laut Berichten von Betroffenen die Investoren auf, die Kommanditbeteiligung an der Fondsgesellschaft zu verscherbeln.

Dabei wird den Anlegern ein Kaufpreis von nur einem Prozent des Kommanditkapitals geboten. Das bedeutet, dass die Reederei das Schiff für weniger als 200.000 Euro erwerben will. Zum Vergleich: Ein Schwesterschiff, das MS "Anika Oltmann", wurde im Dezember 2016 zu einem Preis von rund 3,07 Millionen US-Dollar verkauft. Das Schiff wurde ebenfalls über einen HCI-Fonds finanziert, gehörte aber zur Oltmann Gruppe.

Keine schriftlichen Unterlagen zum Angebot
Die Anleger der MS "Pacific Voyager" erhalten weder von der Reederei noch von der HCI Treuhand schriftliche Informationen zum Kaufangebot und zum Wert der Fondsgesellschaft beziehungsweise der Kommanditanteile. Den Investoren wird lediglich ein Übertragsvertrag zugeschickt, der FONDS professionell ONLINE vorliegt. Das Schiff ist allein aufgrund des Schrottwerts höherwertig. Jedenfalls bis Ende 2015 gab es in dem schuldenfreien Fonds keine Probleme.

"Aufgrund des planmäßig laufenden Schiffsbetriebes ist es uns in 2015 weiterhin gelungen, die Pacific Voyager ohne Liquiditätsprobleme zu betreiben. Das Schiff befindet sich in einem ordentlichen technischen Zustand. Die aus kaufmännischen Vorsichtsgründen aufgenommene Kontokorrentlinie wurde bis heute nicht in Anspruch genommen, steht aber der Gesellschaft weiterhin zur Verfügung", heißt es im erweiterten Geschäftsbericht für das Jahr 2014, den die Anleger voriges Jahr erhalten haben. Ende 2016 hatte die Schiffsgesellschaft eine halbe Millionen Euro liquide Mittel (ohne Kontokorrentkredit).

Von Lauterjung gemanagt, bei Döhle im Einsatz
Bei dem Schiff handelt es sich um einen im Jahr 1999 gebauten Containerfrachter mit einer Stellplatzkapazität von 2.546 TEU. Er ist mit drei bordeigenen Ladekränen ausgestattet. Vertragsreeder ist die Sunship Schiffskontor KG, die zur Lauterjung Group in Emden gehört. Das Schiff fährt im "PD 2.500 TEU-Plus-Einnahmepool" der Döhle Reederei; zuletzt war das Schiff bei der Emirates Shipping Line im Einsatz. Die Fondsgeschäftsführung als persönlich haftende Gesellschafterin obliegt der Conship Management GmbH, die ebenfalls zu Lauterjung gehört.

HCI hatte den Fonds im Jahr 1999 aufgelegt und im darauffolgenden Jahr geschlossen. Das Fondsvolumen beträgt rund 43,5 Millionen Euro. Die Anleger haben rund 18 Millionen Euro investiert. Die Reederei ist mit einer stillen Beteiligung im Ausmaß von 1,5 Millionen Euro investiert. Das langfristige Schiffshypothekendarlehen über etwa 18,4 Millionen Euro wurde laut Geschäftsberichten 2009 getilgt. Das darüber hinaus bezogene nachrangige Darlehen in Höhe von 5,6 Millionen Euro wurde 2010 vollständig getilgt.

Bislang nur 56 Prozent Mittelrückfluss
Der Fonds hat zuletzt im Juli und Dezember 2011 eine Auszahlung in Höhe von jeweils vier Prozent an die Anleger geleistet. Kumuliert belaufen sich die Ausschüttungen zurzeit auf nur 56 Prozent. Nach den ursprünglichen Plänen hätte der Fonds bis Ende 2011 laufen und in Summe rund 176 Prozent an die Investoren auszahlen sollen. (ae)