Die Auktion 40-jähriger japanischer Staatsanleihen hat die stärkste Nachfrage seit sechs Jahren angezogen. Die erhöhten Renditen lockten Anleger zurück in die längsten Laufzeiten des Landes und könnten den angeschlagenen globalen Anleihemärkten zumindest vorübergehend eine Erholung verschaffen.

Auf das angebotene Volumen entfielen Gebote in 3,1-facher Höhe. Das war das höchste Verhältnis von Nachfragen zu Angeboten seit 2020. Bei der vorherigen Auktion hatte der Wert 2,82 betragen, der Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate liegt bei 2,67. Gestützt wurde die Nachfrage unter anderem durch die im Mai vorgenommene Verringerung des Auktionsvolumens für 40-jährige Papiere. Zugleich trugen Erwartungen schnellerer Zinserhöhungen durch die Bank of Japan dazu bei, Inflationssorgen zu dämpfen.

"Die Erwartung, dass die Federal Reserve und die Bank of Japan ihre Zinsen weiter anheben werden, übt vor allem auf die kurzfristigen Renditen Aufwärtsdruck aus. Gleichzeitig sinken die Laufzeitprämien, weil davon ausgegangen wird, dass eine straffere Geldpolitik die Inflation letztlich unter Kontrolle bringen wird", sagte Rinto Maruyama, Senior-Stratege für Zinsen und Devisen bei SMBC Nikko Securities.

Weitere Zinserhöhung im Oktober?
Die Spekulationen nehmen zu, dass die Bank of Japan ihre Zinsen bereits im kommenden Monat erneut anheben könnte. Zuvor hatte sie den Leitzins auf ein 31-Jahres-Hoch von 1,25 Prozent erhöht. Der frühere Leiter der geldpolitischen Abteilung der Bank of Japan, Kazuo Momma, äußerte in einem Interview mit "Bloomberg" eine ähnliche Einschätzung.

Unterdessen griffen japanische und US-amerikanische Entscheidungsträger in der vergangenen Woche mit verbalen Interventionen ein, um den Kursverfall des Yen zu stoppen. Dies trug ebenfalls zur Stabilisierung der Stimmung bei.

Kurze Atempause für die Bondmärkte
Die starke Auktion könnte den globalen Anleihemärkten eine kurze Verschnaufpause verschaffen. Steigende KI-Ausgaben, die durch den Krieg im Nahen Osten angeheizte Inflation und weltweit wachsende Staatsschulden hatten zuletzt für erhebliche Unruhe gesorgt. Die Rendite richtungsweisender 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte am Montag (28.9.) mit 5,58 Prozent den höchsten Stand seit 22 Jahren.

Japans 40-jährige Staatsanleihen werden traditionell von Lebensversicherern bevorzugt, die damit ihre langfristigen Verpflichtungen abdecken. Die Auktion gilt deshalb als wichtiger Gradmesser dafür, ob die höheren Renditen diese Käufer an den Markt zurückbringen.

Ob die zugrunde liegende Nachfrage tatsächlich robust ist, lasse sich trotz des starken Auktionsergebnisses erst mit zeitlichem Abstand beurteilen, sagte Masayuki Koguchi, Chief Fund Manager bei Mitsubishi UFJ Asset Management.

Höhere Verteidigungsausgaben belasten
Fiskalische Sorgen lasten weiterhin auf japanischen Staatsanleihen. Medienberichten zufolge erwägt Tokio ein neues mittelfristiges Ziel für die Verteidigungsausgaben von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit würde sich Japan an der Nato und anderen wichtigen Verbündeten der USA orientieren.

Die mögliche Erhöhung hat die Aufmerksamkeit der Märkte auf die breitere Fiskalagenda von Premierministerin Sanae Takaichi und die Frage gelenkt, wie ihre Regierung die zusätzlichen Ausgaben finanzieren will.

Kürzere Laufzeiten könnten unterdessen weiterhin unter den Erwartungen schnellerer Zinserhöhungen durch die Bank of Japan leiden, sagte Maruyama von SMBC Nikko.

Zweijährige Anleihen im Fokus
Der Blick der Märkte richtet sich nun auf die Auktion zweijähriger Staatsanleihen am Mittwoch. Sie dürfte genau daraufhin geprüft werden, ob sie Hinweise zur weiteren geldpolitischen Ausrichtung der Bank of Japan liefert.

Da zweijährige Papiere besonders empfindlich auf Zinserwartungen reagieren, bewegt sich ihre Rendite derzeit in der Nähe von zwei Prozent. Anleger preisen damit das Risiko einer beschleunigten geldpolitischen Straffung ein. (mb/Bloomberg)