Voraussichtlich ab dem kommenden Jahr müssen Anlageberater ihre Kunden fragen, ob sie bei ihren Investments Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt wissen wollen. Noch steht nicht fest, ab welchem Datum diese Neuerung in der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II genau greifen wird und wie sie im Detail umzusetzen ist. Eines jedoch zeichnet sich heute schon ab: Die Mehrheit der Privatanleger dürfte sich für die Berücksichtigung von ESG-Kriterien aussprechen.

Einen weiteren Hinweis darauf bietet die neue standardisierte Fonds-Vermögensverwaltung "HVB Premium Invest", die die Hypovereinsbank Anfang April in Kooperation mit Amundi an den Start brachte (FONDS professionell ONLINE berichtete). Das neue Produkt erlaubt den Kunden eine gewisse Mitsprache, wie ihr Geld investiert werden soll – trotz der vergleichbar niedrigen Mindestanlage von 25.000 Euro.

"Das neue Angebot kommt gut an", berichtet Ansgar Oberreuter, Leiter Produkt- und Kundenmanagement im Privatkundengeschäft der Bank, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Die Kunden wissen die Wahlmöglichkeiten und den gebotenen Service zu schätzen." Für ein erstes Fazit sei es noch zu früh, es würden sich jedoch bereits zwei Trends abzeichnen: "Erstens zeigt sich, dass unseren Kunden das Thema Nachhaltigkeit wirklich am Herzen liegt. Über 60 Prozent der Zuflüsse in das Basismodul entfallen auf diese Variante", so Oberreuter. "Zweitens beobachten wir, dass die meisten Kunden nicht nur den Mindestbetrag investieren, sondern dem Konzept von Beginn an viel Vertrauen entgegenbringen: Die Erstanlage beträgt im Schnitt mehr als 75.000 Euro."

Bewährungsprobe für das Risikomanagement
Der Start des neuen Produkts fällt in eine schwierige Zeit: Bekanntlich lässt die Corona-Pandemie die Kurse an der Börse Achterbahn fahren. Das stellt nicht nur den Vertrieb vor gewisse Herausforderungen, sondern auch das Risikomanagement. Für dieses ist der Asset Manager Amundi verantwortlich, über dessen digitale Investmentplattform die Fonds-Vermögensverwaltung abgewickelt wird.

Die Gesellschaft überprüft börsentäglich die Volatilität und achtet darauf, dass das individuelle Risikobudget des einzelnen Privatanlegers nicht überschritten wird. "Droht das Risiko im Gesamtportfolio gewisse Grenzen zu überschreiten, reagieren wir entsprechend", erläutert Daniel Reitz, der bei Amundi den Vertriebskanal HVB betreut und das Retail-Marketing sowie das Produktmanagement leitet. Weil erste Kundendepots bereits vor der offiziellen Markteinführung im April eröffnet wurden, musste sich das System im Crash Mitte März schon einmal bewähren. "Auch während der volatilsten Tage wurden die Risikovorgaben bisher in keinem Depot gerissen", betont Reitz.

Abschluss per Videoberatung möglich
Für die Vermarktung des neuen Produktes hilft angesichts der aktuellen Ausgangsbeschränkungen, dass Kunden die Vermögensverwaltung nicht nur in der Filiale abschließen können, sondern auch per Videoberatung. "In der Baufinanzierung arbeiten wir schon seit vielen Jahren mit der Videoberatung", berichtet Oberreuter. "Diese Erfahrungen helfen uns aktuell, da wir die Videoberatung und unser Multikanalangebot nochmals ausgeweitet haben." (bm)