Der Versicherer Ergo aus Düsseldorf hat trotz interner Warnungen bis ins vergangene Jahr hinein großvolumige Versicherungsgeschäfte mit der Dresdener Finanzgruppe um Infinus und Future Business getätigt, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf einen Berichtsentwurf der Ergo-Konzernrevision und Aussagen beteiligter Personen berichtet.

Bekannt war bereits, dass die Ergo zu den Versicherern gehörte, mit denen Infinus millionenschwere Geschäfte abwickelte – darüber hatte FONDS professionell bereits im Dezember 2013 berichtet. Mutmaßlich nutzten die Dresdener die Provisionen aus konzernintern vermittelten Policen dazu, ihre Geschäftszahlen aufzuhübschen. Neu ist aber, dass der Versicherer offensichtlich schon vor Jahren ahnte, dass bei Infinus womöglich nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Neue Verträge noch wenige Wochen vor der Razzia
Dem Handelsblatt zufolge hatte die Ergo-Tochter Victoria Leben bereits 2002 einen Detektiv engagiert, um das Geschäftsmodell eines Unternehmens der Infinus-Gruppe zu überprüfen. Er soll unter anderem davor gewarnt haben, dass es sich dabei um Geldwäsche handeln könnte. Trotzdem liefen die Geschäfte weiter. Im Jahr 2012 blieben auch Warnungen eines Risiko-Managers der Ergo ohne Folgen. Er hatte nach Informationen der Finanzzeitung mehrfach darauf hingewiesen, dass die Geschäftsbeziehung ein Reputationsrisiko berge.

Den letzten Vertrag mit dem Dresdener Finanzkonglomerat schloss die Ergo-Gruppe angeblich am 1. Oktober 2013 ab – nur gut einen Monat, bevor die Dresdener Staatsanwaltschaft die Infinus-Gruppe mit einer bundesweiten Razzia ausheben ließ. Sie ermittelt gegen zehn Beschuldigte, fünf davon sitzen in Untersuchungshaft. Die Fahnder werfen den Infinus-Machern das Betreiben eines Schneeballsystems vor. Die Provisionen aus den abgeschlossenen Lebensversicherungen dienten offensichtlich dazu, Gewinne vorzugaukeln, die ökonomisch gar nicht angefallen sind. Anleger des größten Emissionshauses Future Business müssen mit 80 Prozent Verlust rechnen.

"Negative Einzelinformationen waren nicht verifizierbar"
"Im Nachhinein und im Licht der aktuellen Erkenntnisse müssen wir leider feststellen, dass Infinus unsere Produkte offenbar zweckwidrig eingesetzt und – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – im großen Umfang Dritte geschädigt hat", sagte ein Konzernsprecher dem Handelsblatt. Per saldo hätten aus damaliger Sicht die Argumente für eine Fortsetzung der Geschäfte überwogen. "Negative Einzelinformationen oder Einzelmeinungen, die es durchaus gegeben hat, waren letztlich nicht verifizierbar, ihnen standen mehrfach weitere Informationen gegenüber", zitiert die Zeitung den Sprecher. (bm)