Mit einem Volumen von über 100 Milliarden Euro, das private und institutionelle Investoren laut Branchenverband BVI inzwischen in sozial und wirtschaftlich verantwortungsvolle Investments investieren, haben Nachhaltigkeitsfonds eine neue Dimension erreicht. Immer mehr Menschen wollen einen Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel, extremer Armut oder dem Artensterben leisten und haben erkannt: Die eigene Geldanlage kann dabei ein entscheidender Hebel sein.

Doch wie nachhaltig Fonds wirklich sind, ist für viele Investoren immer noch sehr schwer erkennbar. Nach wie vor stehen deshalb private wie professionelle Anleger, aber auch Finanzberater vor der Frage, wie sie sich auf unabhängiger Basis über die Nachhaltigkeit ihrer Geldanlage informieren oder die Berücksichtigung der eigenen Präferenzen ausloten können.

Detaillierte Informationen zu rund 8.000 Fonds
Um diese Informationskluft zu verringern, hat die gemeinnützige Initiative "2-Grad-Investing" die Informationsplattform "MeinFairMögen" gestartet. Das Projekt wird durch Mittel der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums (BMU) gefördert und basiert laut Jakob Thomä, Leiter der deutschen Niederlassung der 2-Grad-Investing-Initiative ,auf drei Säulen:

  1. Interessierte Anleger können sich auf der Website über die nachhaltige Geldanlage und gute Anlageberatung informieren.
  2. Mithilfe eines Fragebogens können Anleger ihr persönliches Nachhaltigkeitsprofil ermitteln, das sie als Grundlage zu einem Beratungsgespräch bei Bank und Finanzberater mitnehmen können.
  3. Die mit circa 8.000 Fonds durchaus umfangreiche Fondsdatenbank liefert detaillierte Informationen über die Nachhaltigkeit von Fondsprodukten. Investoren und deren Berater können nach einzelnen Fonds suchen, um diese hinsichtlich der Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitskriterien zu prüfen. Oder sie filtern gezielt nach Aspekten wie der Klimafreundlichkeit eines Fonds oder dem Ausschluss von Waffenproduktion in Fondsprodukten.

Online-Fragebogen als Ergänzung zur Geeignetheitserklärung
"Mit unserer Plattform schaffen wir deutschlandweit das erste unabhängige Tool, das Verbraucher wie auch deren Berater im komplexen Prozess der Geldanlage umfangreich begleitet und sie dabei unterstützt, Nachhaltigkeitsziele in ihre Finanzanlagen zu integrieren", erklärt Thomä. Gerade die Finanzanlageberatung werde sich in Bezug auf die Berücksichtigung nicht-finanzieller Interessen von Anlegern verändern, wenn Berater im Verlauf des kommenden Jahres durch neue EU-Regularien verpflichtet würden, Investoren auf deren Nachhaltigkeitspräferenzen anzusprechen.

"Mit unserem Fragebogen geben wir Beratern ein Werkzeug an die Hand, um gemeinsam mit ihren Kunden systematisch deren Präferenzen für die langfristige Anlageentscheidung abzufragen und in die Beratung einzubeziehen", so Thomä. "Das Werkzeug ist der erste öffentlich verfügbare Online-Fragebogen für nicht-finanzielle Präferenzen in Deutschland. Er dient als Ergänzung für die Geeignetheitserklärung, um bereits jetzt mögliche neue Anforderungen auf europäischer Ebene vorwegzunehmen."

Eigener Klima-Bewertungsansatz
Als weitere Besonderheit der Plattform nennt Thomä den Umstand, dass über die Plattform eine nicht-kommerzielle und unabhängige Information erfolge, die sich auf den von der der 2-Grad-Investing-Initiative entwickelten Klima-Bewertungsansatz "Pacta" beziehe. Die Abkürzung steht für Paris Agreement Capital Transition Assessment als Teil des Pariser Klimaabkommens. Mit dem Tool lässt sich laut Thomä für jedes Portfolio die Klimaexposition sowie die Klimakompatibilität einer Geldanlage berechnen. Weltweit nutzen demnach bereits mehr als 1.000 Finanzinstitutionen dieses Werkzeug, das bestimmte Klimaszenarioanalysen ermöglicht, um Finanzflüsse an den Pariser Klimazielen auszurichten. (hh)