Das Deckungsniveau der europäischen Betriebsrenten sinkt. Dies geht aus einer Untersuchung der Fondsgesellschaft JPMorgan Fleming Asset Management hervor, die die Pensionspläne europäischer Unternehmen untersucht hat. Lag die durchschnittliche Kapitaldeckung 2003 noch bei 74 Prozent, so sank sie bis zum Jahresende 2004 auf 70 Prozent, schreibt JPMorgan im "White Paper Overview of European Corporate Pension Plans - Assessing the funded Status of the largest Corporate Pension Plans".

Deckungsgrad deutscher Pensionspläne schwach

Schlusslicht im europäischen Vergleich des Deckungsgrades, so die Untersuchung, sind die Pensionspläne deutscher Konzerne. Für ihr "White Paper" hatte JPMorgan Fleming die Pensionspläne von 71 kontinentaleuropäischen Unternehmen untersucht. "Die Studie gibt einen umfassenden Überblick über europaweite Trends, die das Wachstum der Pensionspläne in den vergangenen Jahren beeinflusst haben", erklärt Peter Schwicht, Head of Institutional Clients Continental Europe bei JPMorgan Fleming. So analysiere die Studie die Auswirkungen des Marktumfelds auf den Status der Pläne. "Eine Szenario-Analyse gibt darüber hinaus Anhaltspunkte, um wie viel die europäischen Pensionspläne wachsen müssen, um den derzeitigen Status beizubehalten oder zu verbessern", erklärt Schwicht weiter.

Geringere Kapitaldeckung durch IAS

Laut JPMorgan-Studie ist die Landschaft der europäischen Unternehmens-Pensionspläne komplex: Unterschiedliche Rentensysteme hätten in den einzelnen Ländern zu ganz verschiedenen Entwicklungen und Ausprägungen geführt. Trotzdem ließe sich eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten feststellen. So haben die Unternehmen europaweit flexiblere Modalitäten bei der Ausgestaltung ihrer Pensionspläne anwenden können Ein Indikator dafür sei der sinkende Pensionsaufwand, also die im aktuellen Jahr durch die Mitarbeiter verursachten Pensionsverpflichtungen. Diese seien beispielsweise auf weniger großzügige Pensionszusagen sowie Veränderungen der Konditionen für neue und jüngere Mitarbeiter durch die Unternehmen zurückzuführen, heißt es bei JPMorgan. Die Kapitaldeckung der Pensionspläne sei ebenfalls rückläufig: So seien die Pensionsbeiträge der Unternehmen von 9,2 Prozent des Vermögens am Jahresende 2002 auf nur noch 6,5 Prozent am Jahresende 2003 gefallen. Eine weitere Abwärtsbewegung, so die Studie, sei hinsichtlich der 2005 für alle europäischen Unternehmen verbindlichen eingeführten internationalen Bilanzierungsstandards (IAS) zu erwarten. Mit der Einführung änderten sich für die Pensionspläne unter anderem die Bewertungsmethode sowie die Diskontierung der Pensionsverpflichtungen. Bisher, so JPMorgan, hätten die Konzerne bei der Wahl des Diskontsatzes Spielräume gehabt. Zukünftig müsse er aber der Rendite einer Unternehmensanleihe guter Bonität entsprechen.

Beitragszahlungen und Zusatzerträge werden immer wichtiger

Um auch zukünftig die Kapitaldeckung erhalten oder gar steigern zu können, würden die Pensionspläne ein jährliches Vermögenswachstum von fünf bis zehn Prozent benötigen, heißt es in der Studie von JPMorgan weiter. Allerdings ließen die Finanzmärkte solche Renditen in Zukunft nicht erwarten - insbesondere bei den konservativen Anlagestrategien deutscher Konzerne für ihre Pensionspläne. "Wir haben bei der Analyse der 71 Unternehmen festgestellt, dass es den Konzernen gelungen ist, verlorenen Boden wieder gut zu machen", erläutert Schwicht. "Unserer Meinung nach werden zukünftig die Pensionspläne erfolgreich sein, die gezielt ihre Finanzierungsziele und ihr Vermögenswachstum angehen. Um nachhaltig Erfolg zu haben ist es nötig, die Risikotoleranz der Investments zu überprüfen und Pensionsbeiträge verfügbar zu machen, um neue Ertragsquellen zu erschließen und die effiziente Nutzung des Kapitals zu ermöglichen," Gottfried Hörich, der bei JPMorgan Fleming in Frankfurt die institutionelle Kundenbetreuung leitet, ergänzt: "Insgesamt besteht für die deutschen Unternehmen Nachholbedarf, was ihre Pensionspläne betrifft." Dies sei historisch bedingt, denn das staatliche Rentensystem sei im europäischen Vergleich sehr ausgeprägt. Darüber hinaus sei bisher die interne Finanzierung der betrieblichen Altersvorsorge steuerlich bevorzugt. "Positiv beurteilen wir die Tendenz, von den ungedeckten Pensionsrisiken abzuweichen und die Pensionsverpflichtungen über eine externe Finanzierung abzuwickeln", so Hörich weiter. "Dadurch werden sie mit Kapitalanlagen unterlegt. In diesem Zuge greifen Unternehmen verstärkt auf flexible Vehikel zu, die ihnen Spielräume verschaffen, sich auf die Struktur der Pensionsverpflichtungen einzustellen und ihr Vermögen entsprechend zu optimieren." Ein Beispiel für ein solches Vehikel seien so genannte Contractual Trust Arrangements(CTA), die bereits von einigen der größten deutschen Unternehmen genutzt würden. Die Untersuchungsmethode

JPMorgan Fleming hat europaweit Geschäftsberichte der 71 Unternehmen mit den größten Pensionsplänen untersucht. Die Volumina der untersuchten Pensionspläne rangieren JPMorgans angaben zufolge zwischen 30 Millionen und 40 Milliarden Euro. Zu den untersuchten deutschen Unternehmen gehörten Allianz, Altana, BASF, Bayer, Daimler Chrysler, Deutsche Bank, Deutsche Telekom, E.ON, Fresenius, Infineon, Linde, Lufthansa, SAP, Schering, Siemens und ThyssenKrupp. (rmk)