Die Regulierungsbehörden sollten überdenken, wie sie Komplexität definieren, sagt der Deutsche Derivate Verband (DDV). Seiner Einschätzung nach kann die aktuelle Definition Investoren in die Irre führen. Unterschiede innerhalb einzelner Produktkategorien fallen bei der momentanen Klassifizierung unter den Tisch, kritisiert der DDV. Er weist darauf hin, dass nicht alle Lebensversicherungen oder Investmentfonds simpel und nicht alle abgeleiteten Produkte anlegerunfreundlich sind.

Nicht das Produkt sollte im Zentrum der Klassifizierung stehen, sondern der Anwender, fordert der Verband. Sein Vorschlag, basierend auf einer Studie der Universität Tübingen: Ein Anlageprodukt sollte als nicht-komplex gelten, wenn Anleger zu jeder Zeit dessen genauen Wert feststellen können. Liegen keine genauen Informationen über den Wert eines Produkts vor und müssen Anleger beim Einschätzen seines Wertes mit größeren Preisüberraschungen rechnen, sollte es dagegen als komplex gelten. Ergo: Je größer die möglichen Überraschungen, desto komplexer das Produkt.

Nicht nachdenken, einfach mal machen
Die Beurteilung der Komplexität darf nicht pauschal an der Produktkategorie festgemacht werden, sagt Studienautor Christian Koziol von der Universität Tübingen. "Zudem ist eine komplexe innere Struktur eines Finanzprodukts nicht gleichzusetzen mit einer komplizierten Anwendung für den Anleger", sagt er. Das sieht der Regulierer anders. Wertpapieraufseher haben zuletzt immer wieder den Vertrieb spekulativer Finanzprodukte eingeschränkt. Im laufenden Jahr traf es sogenannte binäre Optionen. (fp)