Rund eineinhalb Jahre nach der Air-Berlin-Pleite muss mit Germania die nächste deutsche Fluglinie ihren Betrieb einstellen. Damit endet eine 30-jährige Firmengeschichte abrupt, aber nicht völlig überraschend.

Schon seit Wochen kämpft die Airline, die eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als drei Millionen Passagiere befördert, mit knappen Kassen. Noch Mitte Januar meldete das Management "erfolgreiche Finanzierungsverhandlungen". Damit, so die Hoffnung damals, sei die mittelfristige Perspektive als unabhängige mittelständische Fluggesellschaft gesichert.

Finanzierungspläne platzen
In der Nacht zum 5. Februar kam das Aus. "Leider ist es uns nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", teilte Germania-Vorstandschef Karsten Balke mit. 

Anleger des "Air Portfolio II" von Lloyd erleben bange Momente. Sie müssen in ihrem Flugzeugfonds wegen des "Germania-GAUs" erneut Turbulenzen bei einer Airline verdauen. Von der Insolvenz ist das Portfolio aber – nach gegenwärtigem Kenntnisstand – nicht unmittelbar betroffen. Denn die Schweizer Germania Flug AG, an der die Berliner Firma 40 Prozent hält, ist laut aktueller Mitteilung nicht insolvent.

Auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE erklärte Lloyd Fonds, dass die Fondsflugzeuge in der Luft und für die Aufrechterhaltung des Betriebs in der Schweizer Gesellschaft essenziell seien. Dennoch wisse man "offen gestanden" nicht, wie es nach der Insolvenz der deutschen Gesellschaften bei dem Ableger in der Schweiz weitergeht. Die Lloyd-Kontaktperson hofft – ebenso wie die Fondseinzahler –  dass die Germania Flug AG überlebt.

Fonds war 2010 erstmals von einer Pleite betroffen
Lloyd Fonds hat seit Anfang 2011 zwei Airbus A319 an Germania vermietet, nachdem der vorherige Mieter HI Hamburg International im Herbst 2010 Insolvenz anmeldete. Im Januar 2015 wurden die Leasingverträge mit Germania wie berichtet bis ins Jahr 2021 verlängert. Glück im Unglück: Im März 2015 untervermietete Germania die Maschinen an die oben erwähnte Schweizer Germania Flug AG.

Lloyd Fonds prüft zurzeit mit Hilfe des Assetmanagers Doric alle Optionen. Eine davon ist, dass die Gesellschaft in der Schweiz neue Hauptmieterin wird und damit die insolvente Gesellschaft ablöst. Grundsätzlich könnte der Fonds aber auch die Flugzeuge nach außerordentlicher Kündigung der bestehenden Leasingverträge abziehen und neu vermieten. Damit dürften aber unmittelbare Einbußen auf der Einnahmeseite verbunden sein.

Denn zurzeit ist davon auszugehen, dass etwa 20 Airbus A319 von Germania auf den Markt kommen. Das dürfte sowohl die Leasingraten für gebrauchte Maschinen dieses Typs als auch die Zweitmarktpreise für den ganzen Flieger erheblich unter Druck setzen. "Deshalb scheint ein aktueller Verkauf der Fondsflugzeuge aus Anlegersicht aktuell nicht sinnvoll zu sein", heißt es bei Lloyd Fonds.

Zins- und Tilgungsleistung liegt noch im Plan
Zünglein an der Waage ist die finanzierende Bank. Die beiden Flugzeuge wurden teilweise mit langfristigen Krediten der NordLB finanziert. Der Tilgungsstand beträgt laut Lloyd Fonds aktuell rund 60 Prozent; der Kapitaldienst werde planmäßig geleistet. Das Problem: Zins und Tilgung wurden im Jahr 2011 an die mit Germania vereinbarten Leasingraten angepasst. Demzufolge könnten mit deutlich weniger Einnahmen Zins und Tilgung nicht mehr planmäßig erfolgen.

Lloyd Fonds steht nach eigenen Angaben mit der NordLB in Verbindung und ist guter Dinge, eine "den Umständen entsprechend gute Lösung" für die Anleger zu finden. Die Investoren sollen in den kommenden Tagen über die aktuellen Ereignisse informiert werden.

Ganz unvorbereitet trifft sie die schlechte Nachricht nicht: Der Fondsmanager gab Mitte Januar eine Information über die finanziellen Schwierigkeiten von Germania heraus. (ae)