Seit Jahresbeginn arbeitet Markus Herrmann bei Loys und steuert dort den eigens aufgelegten Loys Premium Dividende. Er legt den Schwerpunkt auf kleinere und mittlere europäische Unternehmen. Zuvor arbeitete Herrmann bei Lupus Alpha. Im Interview mit FONDS professionell verrät er, wo er noch Unternehmen findet, bei denen stabile Ausschüttungen winken.


Herr Herrmann, die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie brachten die Wirtschaft praktisch zum Stillstand. Unternehmen entgehen Umsätze. Wie wirkt sich das auf Dividenden aus?

Markus Herrmann: Zahlreiche Unternehmen haben eine Kürzung oder gar eine Streichung der Dividenden angekündigt. Zum Teil ist dies auch politisch oder regulatorisch instruiert. Auch 2009 sind die Dividenden zum Teil komplett ausgefallen. Die aktuelle Krise unterscheidet sich jedoch von bisherigen. Der Shut-Down-Effekt auf die Wirtschaft ist weitreichender und anhaltender. Wie in der Finanzkrise gibt es aber auch jetzt noch Unternehmen, die sehr gut aufgestellt sind. Wir setzen auf Qualitätsunternehmen mit einem robusten Geschäftsmodell und geringer oder keiner Verschuldung.

Wie ist Ihr Portfolio von Dividendenstreichungen betroffen?

Herrmann: Von den 30 Unternehmen in meinem Fonds waren fünf von dem Shut-Down stark getroffen. Eigentlich weisen sie ein defensives Geschäftsmodell auf. Doch normalerweise solide Geschäftsfelder wie das Event-Catering sind nun besonders stark betroffen. Letztendlich haben wir jene stark betroffenen Unternehmen gegen solche ausgetauscht, die in der aktuellen Lage eine dem Fonds entsprechende Dividendenpolitik verfolgen.

Führte der Austausch dazu, dass Sie Verluste realisieren mussten?

Herrmann: Der Austausch war nicht per se mit Verlusten verbunden. Immerhin habe ich einen gefallenen Titel gegen einen anderen derzeit abgestraften Titel ausgetauscht. Allerdings mussten wir natürlich Neubewertungen vornehmen, wie jeder andere Fondsmanager auch. Dabei kommt es jedoch darauf an, die Lage möglichst rasch zu bewerten und die künftigen Gewinner zu identifizieren.


Wie weitere Manager von Dividenden- und Income-Fonds auf die sinkenden Ausschüttungen von Unternehmen reagieren, lesen Sie im neuen Heft 2/2020 von FONDS professionell. Angemeldete KLUB-Mitglieder finden den Artikel auch hier im E-Magazin.


Wo finden Sie diese?

Herrmann: Ich werde derzeit im Gesundheitswesen fündig. Auch hier kann es kurzfristig zu Belastungen kommen, etwa weil Operationen verschoben wurden. Doch diese werden nachgeholt. Die Umsätze sind also aufgeschoben, nicht aufgehoben – in anderen Bereichen fallen die Einnahmen unwiederbringlich aus. In den Nischen, in denen sich die Small- und Mid-Caps bewegen, finden sich zahlreiche Unternehmen, die gut mit der gegenwärtigen Lage zurechtkommen. Viele Spezialisten entwickeln sich unabhängig von der Krise.

Wird die Dividendenrendite Ihres Fonds sinken?

Herrmann: Zyklische Unternehmen, die vielleicht höhere Dividenden ausschütteten als die in unserem Fonds, stehen angesichts der Rezession vor schweren Zeiten. Bei meinem Portfolio wird sich hingegen die defensive Ausrichtung bezahlt machen und stabilisierend wirken. Das Credo lautet: Ich halte an Unternehmen fest, die Dividenden zahlen.

Stehen die Zeichen auf eine weitere Erholung an den Finanzmärkten?

Herrmann: Wir werden mit diesem Umfeld umgehen müssen, solange es Corona gibt. Klarheit wird es erst geben, wenn ein Impfstoff breit verfügbar ist. Die Wirtschaft wird sich nicht so schnell erholen und entsprechend die Aktienmärkte auch nicht. Die Idee einer V-förmigen Erholung halte ich für nahezu utopisch. Die Lieferketten werden auf längere Zeit immer wieder gestört sein, was entsprechend die wirtschaftliche Erholung lähmt. Dies trübt die klare Perspektive, die die Unternehmen benötigen. Auch die Menschen halten sich beim Konsum zurück, da sie in Kurzarbeit sind oder sogar um ihre Arbeitsplätze bangen.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)