Solide Anleihen bleiben ein wichtiger Portfoliobaustein, sagt Marc Decker, Leiter des Asset Managements bei der Privatbank Merck Finck. Anleger sollten beim Bond-Kauf nicht nur auf die Verzinsung schauen, sondern vor allem auf die Bonität des Emittenten. "Viele Investoren nehmen derzeit zu viel Risiko in Kauf, nur um negative nominale Renditen zu vermeiden", so Decker. "Das ist gefährlich." Vergleichsweise riskante Anleihen, etwa in fremden Währungen oder von mäßig bewerteten Emittenten, lohnen oft den geringen Extra-Ertrag nicht.

Rund ein Viertel aller Anleihen auf dem Markt bringt inzwischen negative Renditen. Die Papiere können aber unter den richtigen Umständen trotzdem sinnvoll sein, sagt Decker. Das ist der besonderen Beziehung zwischen Rendite und Kurs einer Anleihe geschuldet: "In einer akuten Krise greifen mehr Anleger zu Anleihen mit gutem Rating. Damit sinken zwar die Renditen, aber die Kurse steigen", erklärt der Stratege. Wer früh eingestiegen ist, profitiert also von Kursgewinnen. "Auch bei negativen Nominalrenditen lassen sich positive Erträge erwirtschaften", betont Decker.

Nicht erst absichern, wenn es kracht
Das zweite Argument für Anleihen, ungeachtet negativer Renditen: Bonds mit gutem Rating eignen sich nach wie vor dazu, das Portfolio gegen Rückschläge am Aktienmarkt abzusichern. "Wer sich diese Sicherheit erst im Angesicht einer akuten Krise erkauft, muss dafür meist einen entsprechend hohen Preis zahlen", mahnt der Merck-Finck-Experte. Er rät Anlegern, negative Anleiherenditen als Teil der neuen Normalität zu akzeptieren und stabilen Bonds einen festen Platz im Portfolio einzuräumen. (fp)