Angesichts der Niedrigzinsphase schienen Anleihen mit variablen Kupons aus der Zeit gefallen. Doch nun erleben die sogenannten Floating Rate Notes, kurz Floater, ein Revival. Bei diesen Papieren steigt und fällt die Kuponhöhe mit einem Referenzzins. Die Auszahlung schwimmt also mit dem Pegelstand der Zinsentwicklung. James Tomlins, Fondsmanager des M&G Global Floating Rate High Yield Fund, erläutert im Interview die Besonderheiten des Marktes und verrät, warum er sich auf eine bestimmte Nische konzentriert.


Herr Tomlins, bei minimalen oder gar negativen Leitzinsen erschienen an diese Sätze gekoppelte Anleihen nicht attraktiv. Hat sich das mit der Aussicht auf eine Zinswende geändert?

James Tomlins: Mit Blick auf das Marktumfeld nahm das Interesse der Investoren an Floatern in letzter Zeit deutlich zu, während sich die Nachfrage nach festverzinsten Neuauflagen offenbar in Grenzen hält. Floater stehen damit vor dem Wandel: von einem durch die Regulierung getriebenen zu einem von der Nachfrage getragenen Markt. Floater stellen für Investoren bei einer Zinswende einen sicheren Hafen dar – wenn es denn überhaupt einen gibt.

Warum waren Floater von der Regulierung getrieben?

Tomlins: Floater ähneln vorrangigen Darlehen, werden aber als Anleihen eingestuft. Vor dem Hintergrund der Kapitalvorschriften für Banken erscheint es für die Institute attraktiv, solche Anleihen zu begeben. Zudem dürfen Luxemburger UCITS in Anleihen investieren, nicht jedoch in Unternehmensdarlehen. Floater gelten daher als ein europäisches Phänomen.

Sorgen also Banken für den größten Nachschub an Floatern?

Tomlins: Für den Investment-Grade-Bereich mag dies zutreffen. Bei Hochzins-Floatern, wo sich mein Fonds bewegt, gilt das aber nicht. Das Universum teilt sich hier relativ gleichmäßig über die Branchen auf. In dieser Hinsicht ergeben sich also keine Ungleichgewichte.

Und wie sieht es geographisch aus?

Tomlins: Der Markt für Floater wird im Hochzinsbereich von europäischen Emittenten dominiert. Der überwiegende Teil wiederum stammt aus Westeuropa. Daneben gibt es noch einige US-Unternehmen. Dabei handelt es sich meist um "gefallene Engel" wie den Autobauer Ford. Emittenten aus den Emerging Markets machen lediglich drei Prozent des Marktvolumens aus. Gleichwohl handelt es sich bei Hochzins-Floatern noch um einen Nischenmarkt mit einem Gesamtvolumen von 40 Milliarden US-Dollar.


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Birgt dies besondere Risiken?

Tomlins: Die Strategie birgt zwei Risiken: Den Ausfall von Emittenten sowie das Liquiditätsrisiko. Währungsrisiken sichern wir komplett ab, und bei Floatern stellt sich das Zinsänderungsrisiko so nicht. Weiterhin investieren wir in vorrangig besicherte Darlehen. Dies schafft ein Sicherheitspolster bei Ausfällen. Im Hochzinsbereich kommt es nun mal auch zu Pleiten.

Wie genau wählen Sie da Unternehmen aus?

Tomlins: Wir legen bei der Auswahl der Anleihen ein besonderes Augenmerk auf die Anleihebedingungen sowie die Vermögenswerte der Unternehmen, mit denen die Papiere besichert sind. Weiterhin richten wir unser Augenmerk auf das rechtliche Umfeld. Generell sind die Gesetzgeber und Gerichte im Norden Europas freundlicher gegenüber Bondinvestoren gesinnt als im Süden.

Dies kann empfindliche Verluste vermeiden?

Tomlins: Ja, durchaus. Kurz nach der Auflage des Fonds ereignete sich bereits der erste Ausfall. Doch die Verwertungsquote lag bei 100 Prozent, unser Portfolio erlitt also keinen Verlust. Dieses Beispiel zeigt, wie entscheidend die Frage ist, auf welcher Ebene der Kapitalstruktur eines Unternehmens die Investition erfolgt. Ein weiterer Schutz stellt eine breite Diversifikation dar.

Wie gehen Sie mit der Gefahr um, dass der Handel in diesem Nischenmarkt austrocknet?

Tomlins: Das Liquiditätsrisiko adressieren wir, indem wir ein Liquiditätspolster über Credit-Default-Swaps und Staatsanleihen schaffen. Diese Pufferquote halten wir bei etwa zehn bis 25 Prozent des Fondsvolumens. Damit können wir einerseits größere Anteilsrückgaben bedienen, umgekehrt aber auch Zuflüsse stemmen, ohne direkt die Floater physisch zu bewegen. Im Bondhandel, insbesondere bei Hochzinsanleihen, könnten wir mit größeren Orders die Kurse beeinflussen. Dank des Liquiditätspuffers können wir Mittelzu- und -abflüsse schrittweise abarbeiten.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)