Börsengehandelte Indexfonds stehen im Verdacht, die etablierten Geschäftsmodelle der Fondsindustrie wenn nicht zum Einsturz, dann zumindest heftig ins Wanken zu bringen. Tatsächlich greifen immer mehr Investoren zu passiven Produkten, wie Marktstatistiken zeigen. In der Aktiv-versus-Passiv-Diskussion wird aber nicht genug differenziert, kritisiert Morningstar-Chefredekteur Ali Masarwah. Er ist überzeugt: ETFs sind nicht der Totengräber der Asset-Management-Branche, sondern ein Impulsgeber.

Indexfonds und ETFs werden oft von denselben Marktteilnehmern aufgelegt wie aktiv verwaltete Fonds und über dieselben Kanäle vertrieben. Von Disruption könne man also nicht sprechen, betont Masarwah. "Und dass ETFs zur Renaissance des Selbstentscheiders führen, ist bisher nur ein Mythos. Es hat schon immer Selbstentscheider gegeben, die rege in Aktien und Anleihen investieren", sagt er. Solche Anleger wenden sich nun eben häufiger ETFs zu.

Aktiv und passiv schließen sich nicht aus
Weil sich ETFs gut in die bestehenden Strukturen von Fondsanbietern einfügen, können auch solche Häuser auf passive Produkte setzen, die sich einer "aktiven DNA" rühmen. So feiert etwa Fidelity derzeit Vertriebserfolge mit Indexfonds, berichtet Masarwah. Zudem erleichtert die Etablierung von Smart-Beta-Strategien aktiven Managern den Einstieg ins ETF-Geschäft.

Insbesondere in den USA nutzen Fondsproduzenten passive Produkte gern als Hülle für aktive Strategien. "Man könnte also die These aufstellen, dass ETFs dazu angetan sind, einen neuen Vertriebsweg, nämlich die Börse, für Asset Manager zu erschließen, die bisher nur im außerbörslichen Bereich aktiv waren", so Masarwah. "ETFs wären dann eine Art Steigbügelhalter für Fondsanbieter in einem bisher nicht erschlossenen Vertriebsweg und eben nicht der Todesengel einer Branche in der Krise." (fp)