Morningstar: Hohe Abflüsse aus Nachhaltigkeitsfonds
Die Zeiten, in denen ein Fonds nur dank der drei Buchstaben E, S und G im Namen viel Geld einsammeln konnte, sind lange vorbei. Eine Analyse von Morningstar zeigt, wie heftig die Trendwende am Markt der Öko- und Ethikfonds ausgefallen ist.
Im vergangenen Jahr haben Anleger aus Nachhaltigkeitsfonds und ESG-ETFs weltweit netto rund 84 Milliarden US-Dollar abgezogen. Das geht aus dem aktuellen "Global Sustainable Fund Review" von Morningstar hervor. Im Jahr 2024 hatten die Öko- und Ethikfonds unter dem Strich noch 38 Milliarden Dollar einwerben können.
"Die Entwicklung der ESG-Fondsströme sieht nicht gut aus", sagt Hortense Bioy, Leiterin des Sustainable Investing Research bei Morningstar Sustainalytics. Allerdings seien die Zahlen etwas verzerrt, betont sie: "Große institutionelle Investoren aus Europa, insbesondere aus dem Vereinigten Königreich, haben Vermögenswerte aus gepoolten ESG-Fonds in maßgeschneiderte ESG-Mandate umgeschichtet. Das macht einen Großteil der Abflüsse aus."
"Anhaltender Gegenwind"
Doch auch unabhängig von diesem Sondereinfluss bleibt das allgemeine Umfeld Bioy zufolge schwierig: "Anhaltender Gegenwind etwa durch geopolitische Spannungen, die vielerorts zu beobachtende Gegenreaktion auf ESG, regulatorische Rückschritte und uneinheitliche Ergebnisse belasten die Investmentbereitschaft der Anleger."
Allein im vierten Quartal 2025 zogen Anleger netto 27 Milliarden Dollar aus Nachhaltigkeitsfonds ab. Trotz dieser Abflüsse stieg das Vermögen der ESG-Produkte im vierten Quartal weltweit um etwa vier Prozent auf 3,9 Billionen Dollar – den Kurssteigerungen an den Aktienmärkten sei Dank. Damit habe sich das weltweite Vermögen nachhaltiger Fonds seit Ende 2018 mehr als versechsfacht, rechnet Morningstar vor. Neue Produkte kamen indes kaum auf den Markt: Bioy zufolge wurden im vierten Quartal weltweit nur 40 neue Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt.
Europa deutlich vor den USA
Bei der Frage, welche Fonds als nachhaltig gelten, orientiert sich Morningstar an den Angaben aus den Verkaufsprospekten. Auch der Name des Sondervermögens spielt eine Rolle. Fonds, die lediglich auf eine ESG-Integration bei der Einzeltitelauswahl setzen, ohne eine dezidierte Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen, bleiben außen vor.
Obwohl Morningstar also viele Fonds, die nach Artikel 8 der Offenlegungsverordnung klassifiziert wurden, nicht berücksichtigt, bleibt Europa der mit Abstand größte Markt für nachhaltige Investmentprodukte. Der Kontinent steht dem Analysehaus zufolge für fast 86 Prozent des weltweiten nachhaltigen Fondsvermögens, gefolgt von den Vereinigten Staaten mit neun Prozent. Der Rest entfällt auf alle übrigen Länder. "Aktuell machen nachhaltige Fonds etwa 20 Prozent des gesamten europäischen Universums an offenen Fonds und ETFs aus, verglichen mit nur einem Prozent in den USA", so Bioy. (fp)















