Anleger und ihre Berater haben bei der Entscheidung, in welchen Fonds sie investieren, die Qual der Wahl. In Deutschland sind rund 9.000 Portfolios für den Vertrieb an Retailkunden zugelassen. In den vergangenen Jahren gab es eine bestimmte Gruppe von Portfolios, für die sich Renditesucher besonders zahlreich erwärmen konnten: Mischfonds, die mit auskömmlichen Wertzuwächsen bei gleichzeitigem (Mindest)-Schutz gegen Crashs werben. Nach Analyse von Morningstar aber sind nur die wenigsten Aktien-Renten-Portfolios ihr Geld – sprich: ihre Gebühren – wert gewesen.

Morningstar-Analystin Barbara Claus erneuert in einem aktuellen Beitrag die Kritik der Fondsexperten an den vermeintlichen "Alleskönnern" und unterlegt ihre Argumente mit frischen Zahlen. Im Detail hat sich die Expertin die drei Fondskategorien "Flexible globale Mischfonds", "ausgewogene globale Mischfonds" sowie zum Vergleich "globale Large-Cap-Aktienfonds" und einen Referenzindex angeschaut, der jeweils hälftig aus dem Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index und dem FTSE World Index besteht. 

"Desatröse Ergebnisse"
Das klare Resultat: "Während die gemischten Fonds langfristig ungefähr die Hälfte der Erträge eines reinen Aktienfonds erzielen konnten, fallen die kurzfristigen Ergebnisse über drei und fünf Jahre desaströs aus", so Claus. Beispielsweise lieferten die Fonds in den letzten drei Jahren lediglich 2,86 Prozent (ausgewogen) oder 2,59 Prozent per annum ab (flexibel), während aktiv gesteuerte globale Aktienfonds Jahr für Jahr im Schnitt 8,05 Prozent erzielten. 

"Der durchschnittliche ausgewogene und flexible Mischfonds konnte also weder ansatzweise die Hälfte der Performance eines reinen Aktienportfolios erzielen noch mit seiner Kategorie-Benchmark mithalten", schreibt Claus. In den letzten Jahren habe sich die Wahlfreiheit der Mischfonds-Manager also ganz klar nicht ausgezahlt. Das gelte insbesondere für die flexiblen Fonds, was impliziert, dass der durchschnittliche Fondsverantwortliche die höhere Flexibilität nicht zum Vorteil der Anleger genutzt habe.

Problem Nummer eins: Europafokus
Morningstar kritisiert aber nicht einfach die Fondsmanager, sondern sucht auch nach Erklärungen für die deutliche Underperformance. Claus zufolge sei nicht das Konzept das grundlegende Problem – die Manager können ja bis zu 100 Prozent in Aktien anlegen – sondern die Umsetzung. 

Zunächst sei das typische Übergewicht der Fonds in Europa zu nennen. Der hiesige Aktienmarkt blieb sowohl kurz- als auch langfristig hinter dem US-Markt zurück, der in dem Vergleichsindex mit 60 Prozent hoch gewichtet ist. Während Europa in der Aktienbenchmark nur einen geringen Anteil von 14 Prozent aufweist, war der tyypische flexible und ausgewogene Mischfonds mit 33 oder 32 Prozent seines Aktienportfolios in Europa investiert.

Besonders nachteilig habe sich dieser Effekt in den vergangenen zwölf Monaten bemerkbar gemacht, die sowohl fallende Märkte als auch eine Erholung beinhalten. Auf Euro-Basis gerechnet hätten sich europäische Aktien kaum vom Fleck bewegt, während sich US-Aktien mit 12,5 Prozent exzellent entwickelten. "Dieser enorme Performanceunterschied schlägt sich natürlich auch negativ in den Fonds mit Europa-Übergewicht nieder", so Claus.

Problem Nummer zwei: Niedrige Duration
Ein weiterer Faktor sei die immer noch stark untergewichtete Duration im Anleihenbereich der Fonds. Während der Vergleichsmaßstab "Bloomberg Barclays Euro Aggregate Bond Index" aktuell eine Duration von 7,4 Jahren aufweist, liegt die Kennzahl bei den flexiblen Mischfonds im Durchschnitt bei 3,3 und bei den ausgewogenen Mischfonds bei 3,9 Jahren. Während die Euro Aggregate Bond Benchmark in den letzten zwölf Monaten 7,3 Prozent erzielen konnte, blieben die kürzeren Laufzeiten – beispielsweise die sehr kurz Variante des Index mit Papieren zwischen einem und drei Jahren Laufzeit – mit nur 0,9 Prozent deutlich zurück.

Es gibt aber noch andere Faktoren, und für die sind sehr wohl die Manager selbst zur Verantwortung zu ziehen.

Miserables Markttiming
"Typischerweise trägt das flexible Management der Aktienquoten bei den meisten Fonds wohl weiterhin nicht positiv zum Gesamtergebnis bei. Vor allem in volatileren Märkten mit Trendbrüchen können sich die aktiven Manager zum Handeln verleitet fühlen, was aktive Performance für Anleger kosten kann", analysiert Claus. 

Dieses Muster zeige sich abermals in den Aktienquoten, die in den performance-negativen Börsenmonaten wie Oktober und Dezember 2018 sowie Mai 2019 im Kategoriedurchschnitt prozyklisch reduziert wurden, wodurch die Fonds Verluste realisierten und unterproportional von den darauffolgenden Erholungen, insbesondere im Januar und Juli 2019, profitierten. Besonders bei den flexiblen Mischfonds wurden die Aktienquoten in diesen Börsen-Minusphasen deutlich reduziert, beispielsweise von September auf Oktober 2018 von 51 auf 47 Prozent.

"Fairerweise muss aber an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass sich das Europa-Übergewicht und die untergewichtete Duration nicht in allen Marktumfeldern negativ auswirken müssen, sondern sich der Trend hier durchaus auch umkehren kann", findet die Expertin aber auch ein paar ermutigende Worte. Aber: Das Argument mit dem Markttiming und die generelle Underperformance aktiver Manager gegenüber ihren Benchmarks nach Kosten bleibe im Zeitablauf bestehen. (jb)