Immer wieder gibt es Fonds, deren Namen fast jeder Anleger kennt. Templeton Global Bond, Carmignac Patrimoine, Fidelity European Growth: All diese Portfolios waren bei Investoren zeitweise so beliebt, dass sie zu wahren Riesen anschwollen. Am Sternenhimmel sind Riesen allerdings oft im Verglühen begriffen – und auch die einstigen Stars des Fonds-Universums leuchten längst nicht mehr so hell wie früher. Sobald ein Fonds zu den größten am Markt aufgestiegen war, hätten Anleger gut daran getan, ihre Anteile abzustoßen. Darauf deutet jedenfalls eine Untersuchung von Morningstar hin.

Das Analysehaus hat sich angeschaut, wie sich der Wert bekannter Fonds entwickelt hat, bevor sie zu Marktriesen aufstiegen, und auch, wie es danach um ihre Performance bestellt war. Dabei betrachteten die Experten die relative Wertentwicklung im Vergleich zum Markt, nicht die absolute Rendite. Das Ergebnis ist eindeutig: "Bis auf einen Fonds schnitten alle aktiv verwalteten Produkte in der Phase, nachdem sie zu Europas größten Fonds avancierten, deutlich schlechter ab als in der Phase zuvor", sagt Morningstar-Experte Ali Masarwah.

Anlegerlieblinge weit abgeschlagen
Besonders dramatisch fällt der Vorher-Nachher-Vergleich beim Blackrock-Fonds BGF World Mining aus. In den fünf Jahren, bevor er 2007 zum ersten Mal der größte Fonds in Europa war, konnte er den S&P Global Natural Resources um knapp zwölf Prozentpunkte pro Jahr schlagen. In den fünf Jahren danach lag er dagegen jedes Jahr fast fünf Punkte hinter dem Index.

"Auch in jüngerer Zeit waren die Unterschiede bei Top-Fonds eklatant, und zwar nicht nur bei volatilen Sektorfonds, sondern auch bei herkömmlichen Mischfonds", berichtet Masarwah. Zum Beispiel beim Carmignac Patrimoine: In den fünf Jahren bis Mai 2009 konnte er seinen Vergleichsindex pro Jahr um 7,7 Prozentpunkte übertreffen. In den fünf Jahren, nachdem er zum Supertanker avanciert war, fiel er dagegen deutlich zurück: Zwischen März 2011 und Februar 2016 hinkte er der Benchmark gut sechs Punkte pro Jahr hinterher.

Sieger-Fonds für Europäer nicht erhältlich
Der einzige Fonds, der auch nach seinem Aufstieg in die Riege der Mega-Portfolios seinen Vergleichsindex übertraf, ist der Pictet Global Utilities Equity. Er schnitt nach dem kritischen Aufstiegsjahr jährlich 2,2 Prozentpunkte besser ab als ein Branchenindex von MSCI. "Die Ironie der Geschichte: Diese beachtliche Outperformance fand ohne europäisches Publikum statt", sagt Masarwah. Der Fonds ist ein Exportprodukt, er wurde ausschließlich in Japan vertrieben.

Für die jüngsten Gipfelstürmer, darunter der AP7 Aktienfonds und der Pimco GIS Income, liegt naturgemäß noch keine Fünfjahresperformance vor. Auch sie fielen allerdings laut Morningstar hinter ihre Benchmarks zurück, nachdem sie zu den größten Fonds Europas gehörten. "Dass die Zahlen eine derart klare Sprache sprechen, ist bemerkenswert", sagt Masarwah.

Mit großem Volumen kommt große Verantwortung
Was sind die Gründe dafür, dass Aufsteiger plötzlich schlecht abschneiden? Morningstar zufolge bieten sich für dieses Phänomen zwei Erklärungen an: Erstens könnte es sein, dass manche Fondsmanager so sehr in ihre Wertpapier-Favoriten verliebt sind, dass sie nicht rechtzeitig aussteigen. Einige Studien stützen diese Theorie. Zweitens könnte es sein, dass ein enorm gewachsenes Fondsvolumen Anlageprofis die Arbeit erschwert. Haben sie bisher etwa in illiquide Wertpapiere investiert, ist das ab einer gewissen Größe nicht mehr ohne Weiteres möglich, weil die Fonds sonst selbst den Markt bewegen – was viele Asset Manager aus guten Gründen nicht wollen.

Investmentgesellschaften sollten erfolgreiche Fonds öfter für Neuanleger schließen, fordern die Morningstar-Experten. In den USA und Großbritannien ist ein solches Vorgehen bereits üblich, um die Fondsstrategie nicht zu verwässern. Bis dahin sollten europäische Investoren im Hinterkopf behalten, dass Supertanker auf Grund laufen, Wale stranden und Sterne verglühen können. (fp)