Die Zinswende, die jüngst die Europäische Zentralbank (EZB) eingeläutet hat, kommt langsam auch bei den Sparern an. Die Deutschlandtochter der niederländischen ING will ihre Kunden zumindest schon bald wieder in den Genuss von Zinsen bringen. Dies berichten diverse Medien, darunter die "Süddeutsche Zeitung". Neukunden erhalten sogar ab sofort vier Monate lang ein Prozent Zinsen per annum für Tagesgeld. Vom 6. Dezember an zahlt die Bank dann auch den Bestandskunden wieder 0,3 Prozent auf das Tagesgeld, ohne Zusatzbedingungen.

Die Bank habe bereits das Verwahrentgelt gestrichen und begonnen, Zinsen auf den Sparbrief zu zahlen, erklärte ING-Deutschlandchef Nick Jue der "SZ" zufolge. "Nun bringen wir auch die Tagesgeldzinsen für alle zurück", sagte er. Die deutsche Tochter der ING war hierzulande eine der ersten Banken, die ihren Privatkunden nach der Leitzinserhöhung durch die EZB wieder Zinsen in Aussicht gestellt hatte.

Wieder Wettbewerb um Einlagen
Deutschlands größte Bank hat ebenfalls höhere Zinsen auf Einlagen angekündigt. "Wir haben bei der Deutschen Bank vor ein paar Wochen begonnen, die Einlagenzinsen für unsere Kunden zu erhöhen", sagte der Chef des deutschen Privatkundengeschäfts, Lars Stoy, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er gehe davon aus, dass im kommenden Jahr weitere Schritte folgen werden, so Stoy. Dies gelte sowohl für die Deutsche Bank als auch für die Postbank. Der Wettbewerb der Banken um Einlagen werde wieder zunehmen, sein Institut denke daher bereits über entsprechende Kampagnen nach, erklärte Stoy. 

Die ING will auf jeden Fall wieder auf Kundenfang gehen. Über viele Jahre hinweg hatte die Bank unter dem Namen ING-Diba mit vergleichsweise hohen Sparzinsen gelockt – bis ihr das Zinstief dazwischenkam. Nun wollen die Niederländer an alte Erfolge anknüpfen. "Wir fallen zurück in alte Stärken. Das Kundenwachstum über das Einlagengeschäft ist eine unserer Stärken", wird ING-Deutschlandchef Jue in der "SZ" zitiert. Noch spüre seine Bank nichts davon, dass die Menschen angesichts hoher Energiekosten nicht mehr so viel sparen können. "Wir haben noch Kunden- und Einlagenwachstum", sagte Jue. (am)